FESTINA LENTE 

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Reiseblog Ionisches Meer


18.7.20
#262

Hier laufen zwischen den Schiffen 2 Ziegen herum. Es ist ähnlich wie mit den Rehen in der Rennmühle, sie fressen so ziemlich alles an, vor allem das, was sie nicht sollen.

So hat der Betreiber der Marina in mühevoller Kleinarbeit Rosen gezüchtet, die, wie ich gesehen habe, auch richtig schön geblüht haben, und die Ziegen haben das gewissermaßen über Nacht vernichtet.
Das weibliche Tier ist ganz im Gegensatz zu meinen früheren Schafen, sehr zutraulich, während der Bock, ein ausgesprochen schönes Tier, immer auf Abstand bedacht ist.
Im Gegensatz zu den Rehen geben sich die Ziegen nicht mit dem zufrieden, was sie einfach erreichen können. Sie stellen sich notfalls auf die Hinterbeine und biegen auch kleine Bäume einfach um und fressen denen wirklich alle Triebe ab. Was da den Ziegen immer ausgesetzt ist wird früher oder später absterben. So erklärt sich die im gesamten Mittelmeerraum verbreitete Macchia. Dieses dornige Gesträuch wird von diesen Tieren verschmäht, alles andere wird sytematisch vernichtet, und das seit Jahrtausenden.

Daß im Mittelmeerklima trotz des heißen und trockenen Wetters auch richtiger Wald wachsen kann, sieht man an den wenigen militärischen Sperrgebieten. Dort sind Schafe und Ziegen ausgeschlossen. Daran wird erkennbar, daß die sonnendurchglühten felsigen Berge ein vom Menschen hervorgerufenes Phänomen sind, hervorgerufen durch drastische Überweidung. Dadurch konnte sich, nachdem die Mächte der Antike den Wald bei ihren gut dokumentierten Seekriegen im Mittelmeer versenkt hatten, kein neuer Wald entwickeln.

16.7.20
#261

Die Festina Lente hat jetzt einen neuen alten (gebrauchten) Anker. Der vorherige Anker hatte seine Untauglichkeit vielfach bewiesen.

Der alte Anker ist ein
	 Danforth-Anker mit ca. 35kg, der neue alte ist ein CQR, geringfügig schwerer, ca, 40kg

Die geballte Masse der hier versammelten versierten Fachleute war sich einig, daß die Ursache in einer Krümmung des Ankerstocks zu suchen sei. Ich kenne diesen Anker jedoch nicht anders, und denke, er war extra so konstruiert, damit er sicherer in seiner Ankerwippe liegt. Ich werde ihn jedoch gegen den Rat der Fachleute nicht entsorgen, sondern als 4. Reserveanker behalten.
Und, wer weiß. vielleicht hat mein neuer alter Anker eine ähnliche Geschichte hinter sich, warum stand er zum Verkauf?
Es wird sich vermutlich sehr schnell zeigen, ob dieser Anker besser hält.

Auf dem neuen alten Anker ist stolz vermerkt: "Made in Scotland".
Man weiß ja aus der Geschichte und von vielen anderen Anlässen. daß sich die Schotten nicht ganz freiwillig in das Vereinigte Königreich integriert haben, und bei verschiedenen Gelegenheiten ernsthaft versucht haben, dieser Zwangsgemeinschaft zu entfleuchen. Mit dem Brexit haben wir wieder mal so einen Anlaß, und ich denke, diesmal werden sie es durchziehen. Die restlichen Briten werden den Brexit bitter bereuen, denn sie werden ohne EU und ohne die Schotten in die vierte Liga absteigen. Ihr Stolz wird erstmal eine Rückkehr in die EU unmöglich machen, erst wenn erkennbar wird, daß die Schotten das bessere Ende erwischt haben, wird ihnen nichts anderes übrigbleiben.

14.7.20
#260

Um mein nicht funktionierendes Internet voranzubringen, bin ich heute mit dem Roller nach Preveza zum Telefonladen gefahren. Ich bin da zwar schon etliche Male als Sozius auf Wolfgangs Roller mitgefahren, aber Selberfahren ist schon anders! Durch Vonitsa durch, am Flughafen vorbei, und durch den Tunnel. Es ist insofern bemerkenswert, als der Roller nur max 45km/h geht, aber die Straße zwischen Vonitsa und Preveza inkl. Tunnel als Autobahn deklariert ist, Hat sich aber niemand daran gestört, war sowieso extrem wenig Verkehr. Im Telefonladen zeigte sich, daß die Karte in meinem Hotspot nicht aufgeladen war, trotzdem ich ja schonmal bezahlt hatte. Also nochmal bezahlt, aber noch im Telefonladen mit dem mitgebrachten Laptop getestet.
Der Rückweg war schneller, weil kräftiger Rückenwind. Insgesamt war ich fast 2h unterwegs. Abends dann mit dem Roller nach Pariampela zum Abendessen, natürlich griechischer Salat! Wolfgang ist mit seinem PS-starken Roller vorneweggefahren, ich hinterdrein. Er fährt, wie man so schön sagt, wie eine gesengte Sau*, hat aber mehrere Male gewartet, bis ich aufgeholt hatte.

(*) Ein Ausdruck aus Zeiten, als es noch keine Veganer gab: Man hat früher den Schweinen nach dem Schlachten die Haare abgesengt. Wenn man das Schwein nicht richtig betäubt bzw. getötet hatte, konnte es bei der Prozedur aufwachen, und hat dann entsprechend schnell die Flucht ergriffen.


13.7.20
#259

Wolfgang hat extra für mich den Roller wieder mal in Gang gebracht. Seinem Zustand nach wurde er den Winter über ausgiebig genutzt, da kann ich mich nicht beschweren, ich habe es ausdrücklich erlaubt. Bei der ersten Ausfahrt habe ich prompt den Schlüssel verloren, daraufhin mußte Wolfgang auch noch den Tankdeckel aufbrechen. Beim zweiten Versuch bin ich richtig nach Vonitsa gekommen, und habe in meinem Lieblings-Supermarkt eingekauft.

Alles war unverändert, nur die Kühltruhe mit dem Speiseeis war bis auf 2 Packungen komplett leer. Dieses Eis hatte eine eigentümliche blaue Farbe, die ich sonst als Warnfarbe von Parathion* kenne. So was kann es nur in Griechenland geben! Kein Wunder, daß niemand das kaufen wollte! So ist es extra für mich übriggeblieben. Unter Nichtachtung der Farbe habe ich es trotzdem vertilgt, es war ein ganz normales Milcheis mit dem typischen künstlichen Vanillegeschmack, was die Farbe soll, wissen nur die griechischen Götter! Abend waren wir wieder in der Strandtaverne. Dieses Jahr scheint der griechische Salat zu meiner Standard-Diät zu werden.

(*) Parathion, bekannt auch als E605 ist ein besonders übles Rattengift. Um Verwechslungen vorzubeugen, ist es nur mit einer blauen Warnfarbe im Handel (Was manche Leute nicht davon abgehalten hat, ihre Mitmenschen damit umzubringen).

11.7.20
#258

Es ist schon erstaunlich wie schnell das mit der Akklimatisierung geht. An das Klima sowieso, am Ort hier hat sich so gut wie nichts verändert, man weiß ohne Suchen oder Nachfragen wo was ist. Am Bootssteg gibts bis auf Weiteres einen Schlauch mit Frischwasser, was den Genuß eines Bades im Meer sehr erleichtert. Und irgendwie kennt man viele wenn nicht alle Leute, die hier zugange sind, so als wäre man nie weggewesen.
Nachtigallen gibts nicht mehr, dafür jede Menge Spatzen, und in der Dämmerung kreisen die Fledermäuse um die Masten. Untertags in der Hitze erfüllt das Zirpen der vielen Zikaden die Luft. Ich habe schon das erste Abendessen, diesmal in Pariampela, hinter mir: Griechischer Salat. Langsam ordnen sich auch die Prioritäten der Dinge, die zu tun sind.


9.7.20
#257

Im Gegensatz zum meinem vorherigen Flug gab es nach der Landung einen, wenn auch etwas zaghaften Applaus. besonders sanft war das Aufsetzen nicht, aber eben auch nicht besonders heftig, normal halt. Beim Warten vor dem Terminal in Berlin hätte ich erwartet, daß sich die Passagiere gegen den äußeren Feind solidarisieren, aber die Kälte hat wohl jede Initiative getötet. Erst beim Warten auf den Auslaß aus dem Flieger hat mir meine Sitznachbarin, eine junge, attraktive Dame, gestanden, daß sie zu einer, nicht der eigenen, Hochzeit unterwegs ist. im Gegenzug habe ich ihr von meinem Segeln erzählt und ihr eine Karte gegeben. Das wars mit der Kommunikation unter den Passagieren.
Im Flughafen Preveza angekommen, war niemand da, um mich abzuholen. Es hat eine Zeitlang gedauert, bis ich mein Telefon in Gang gebracht habe, und sogleich rief ich Wolfgang an. Er war auch richtig zum Flughafen gefahren, hatte aber durch die Verspätung und unklare Zeitangaben aufgegeben und ist erstmal zum Lidl nach Preveza zum Einkaufen gefahren. Weil er schon nicht mehr mit mir gerechnet hatte, hat er den Roller ordentlich vollgeladen, und war eigentlich schon an dessen Belastungsgrenze, als er auf dem Rückweg nochmal zum Flughafen abgebogen ist. Da noch mein Gepäck und mein Lebendgewicht obendrauf war schon grenzwertig. Aber als routinierter Fahrer kann er das, fuhr vielleicht etwas langsamer, und wir kamen richtig am Tor von Steel-Design an. Die steile, geschotterte Rampe zum Schiffslagerplatz wollte er dann verständlicherweise doch nicht hochfahren, und wir haben unten am Strand mein Gepäck abgeladen. Wolfgang hat mir aus seiner Überkompletten Ausrüstung einen Handwagen zur Verfügung gestellt, um es an die Festina Lente heranzufahren. Damit war ich wieder zuhause.

Im Schiff war es gut 45°C heiß, quer über den Niedergang waren etliche Spinnennetze gespannt, aber Dank den Solarpanels waren die Akkus voll und ich konnte sofort den Ventilator aktivieren. Wenn ich es bei der Abreise nicht selbst erzeugt hätte, könnte man bei dem Chaos am Schiff erschrecken. so nach und nach, kommt alles dran!


1.10.19
#214

Nachdem ich die letzten 2 Tage mit Aufäumen und Packen verbracht habe, bin ich heute morgen Richtung München abgeflogen. Der Flug ging eher zeitig Morgens, so mußte auch Wolfgang sehr früh aufstehen, um mich mit seinem Roller zum Flughafen zu fahren. Es war kalt, die dicke Jacke, die ich für DE angezogen hatte, war auch hier nicht falsch. Wolfgang hat mich unmittelbar am Departure-Eingang abgesetzt, mit Roller kein Problem. Ich war früh da, und konnte als einer der ersten einchecken. Im Wartebereich nach der Sicherheitskontrolle wollte ich mir noch was zum Lesen kaufen, es gab aber nur Schnaps und Parfüm Duty-free, so war die Wartezeit sehr langweilig. Aufgefallen ist mir noch, daß sich im Gegesatz zu meinen früheren Flügen keinerlei Kommunikation zwischen den Passagieren entwickelt hat, keine Frage nach Ort und Qualität des Urlaubs, obgleich alle nach ihrer Hautfarbe auf dem Rückweg vom Urlaub waren. Enttäuscht war ich, daß offenbar noch mindestens 2 weitere ältere Herren mit Bart und Zopf dabei waren, langsam geht die aufwendig erzeugte Einzigartigkeit meines Äußeren verloren, die ganze Mühe mit den langen Haaren vergeblich! Allenfalls war ich der einzige Seebär oder Salzbuckel, die anderen sahen mehr nach Hotelurlaub aus.
Im Flieger hatte ich einen Platz am Mittelgang, und konnte deshalb von dem Seegebiet das ich nächstes Jahr als erstes durchqueren will, nur bruchstückhaft was sehen. Der Kurs ging zunächst ziemlich in der Mitte der Adria, bemerkenswert fand ich, daß man aus der Flughöhe von 10000m auf beiden Seiten gleichzeitig Land sehen kann, immerhin über 50sm weit, vom Schiff aus unmöglich.

28.9.19
#213

Es ist kühl geworden. Morgens zieht man gerne ein Jacke an, und genießt die Wärme der Sonne, allenfalls mittags zieht man sich in den Schatten zürück, und schon nachmittags holt man sich wieder die Jacke. Die Sonne steht nach wie vor am makellos blauen Himmel. Ich bin mit dem von Wolfagng wieder in Gang gebrachten Roller nach Vonitsa gefahren, und habe mich im Hafen umgesehen, in dem ich viele Wochen zugebracht habe. Dort waren andere Schiffe, andere Leute, inzwischen gibt es auch dauerhaft freie Liegeplätze. Das Leben auf dem Schiff bedeutet nicht nur immer wieder neue Orte, neue Bekanntschaften, es ist auch ein permanentes Abschied nehmen, von liebgewonnenen Menschen und Orten, die man wahrscheinlich niemals wieder sehen wird. Das paßt schon zu der herbstlichen Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Abschied hier und der freudigen Erwartung des Heimkommens.


27.9-19
#212

Heute bzw, schon gestern hat sich eine interessante Begebenheit zugetragen. Gestern Vormittag fuhr oder besser trieb eine englische Segelyacht in die Rouga-Bay und lief am östlichen Eingang zur Bucht unmittelbar vor dem Strand auf Grund. Das ist natürlich aufgefallen, man hat sofort Hilfe organisiert, mehrere Leute sind mit dem Beiboot hingefahren, aber der Skipper, der allein an Bord war, war sich seiner Lage anscheinend nicht bewußt und hat jegliche Hilfe abgelehnt. Weil das Wetter eher hahrmlos war, hat man das erstmal auf sich beruhen lassen. Heute morgen lag das Boot immer noch an der gleichen Stelle, und weil der Wind immer stärker wurde hat man die Hilfe etwas energischer betrieben, und konnte den Skipper wohl überzeugen. Hilfsmaßnahmen zuzulassen. Man ist dann mit einer besonders stark motorisierten Segelyacht hingefahren, und hat das Boot eher leicht per Schleppleine wieder flottgemacht. Weil der Motor offenbar nicht betriebsfähig war, hat man die Yacht zu einem passenden und sicheren Ankerplatz in der Bucht geschleppt, dort liegt sie nun.

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25.9.19
#211

Meine Computer sterben wie die Fliegen. Nun peife ich in dieser Hinsicht auf dem allerletzen Loch: Nachdem 3 Laptops nach und nach den Geist aufgegeben haben, habe ich nun den wirklich letzten in Arbeit. Navigieren könnte ich nun nicht mehr, muß ich auch nicht, denn das Schiff steht hoch und trocken und unbeweglich.
Das Wetter ist nun so, wie man es vom Sommer in DE kennt: Nachts Temperaturen unter 20°, so daß man gut schlafen kann, tags kaum mehr über 30°, daß man wirklich was arbeiten kann, ohne gleich zu schwitzen. Abends braucht man schon eine Jacke. An der Strandkneipe sitzt man nicht mehr außen direkt am Wasser, sondern im Gastraum. Der Wind tagsüber nimmt an Stärke zu, und es regnet immer wieder mal. Das Meer nimmt an Temperatur langsam ab, ist aber immer noch angenehm zum Baden.
Wolfgang hat in unermüdlicher Arbeit den Roller wieder in fahrbaren Zustand gebracht, das erhöht meine Beweglichkeit erheblich. Das Fahrrad hat sich auch als jenseits von Gut und Böse verrottet gezeigt, das werde ich auch hierlassen. Mal sehen, ob Wolfgang noch was draus machen kann.

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21.9.19
#210

Heute hat es den ganzen Tag heftig geblasen, der Wind heulte im Rigg, und ich war eher froh, nicht mehr auf dem Wasser zu sein. Allerdings hatte ich zuerst den Eindruck, das ganze Schiff würde vom Rigg in Vibrationen versetzt, man sagte mir jedoch, das wäre ein etwas weiter entferntes Erdbeben gewesen, was hier in der Gegend häufiger vorkommt. So habe ich das auch mal erlebt. Sonst war auf dem Wasser von einem Erdbeben niemals etwas zu spüren.
Das Abkratzen des Bewuchses im Unterwasserbereich ist ziemlich mühsam, ich bereue schon meinen Entschluß, das Kärchern abgelehnt zu haben, das die Marina routinemäßig anbietet. Allerdings habe ich am Kiel einige tiefe Macken gefunden, die ich offenbar selbst da reingefahren habe. Da werde ich im Frühjahr, wenn alles gut durchgetrocknet ist, etliches an Reparaturen unternehmen müssen. Neues Antifouling muß sowieso drauf.
Mit Wolfgangs Unterstützung habe ich nun den Roller vom Schiff gehoben, mit Fall und Großbaum als Kran war es erstaunlich einfach. Ich werde das Fahrzeug im Frühjahr nicht wieder mitnehmen, sondern hierlassen. Wolfgang hat sich begeistert darauf gestürzt und sofort begonnen alles zu zerlegen. Man muß ihn bremsen, sonst hat man am Ende nur einen Haufen Einzelteile.

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19.9.19
#209

Ich hatte es mit anderen Schiffen schon mehrmals mit angesehen, so war das Verfahren, das Schiff aus dem Wasser zu holen, keine Überraschung.

Die "Trockenmarina" verfügt hierzu über einen riesigen Trailer mit einem gewaltigen Zugfahrzeug, die Breite und die Auflagen hydraulisch verstellbar. Das Gerät fährt rückwärts über eine geschotterte Rampe ins Wasser, so daß von dem Trailer nur noch zwei Peilstangen sichtbar sind. Dann fuhr ich mit dem Schiff zwischen die beiden Peilstangen, das Schiff wurde dann mit Seilen fixiert, der Marinachef ging mit Schnorchel und Brille tauchen, und dirigierte das Schiff genau über die Auflagen. Die wurden nun hydraulisch angehoben, Und schon hob sich die Festina Lente aus dem Wasser. Dann setzte sich das Gespann in Bewegung und fuhr im Schritttempo die Rampe hoch aus dem Wasser. Am Stellplatz lag schon ein massives Stallrohrgestell bereit, das nun durch Lücken im Trailer passend zusammengesteckt, und das Schiff darauf abgesenkt wurde. Nun konnte der Trailer herausfahren, und die Festina Lente stand nun hoch und trocken.
Ich habe mich erstmal mit dem Bewuchs befaßt, und angefangen, alles wegzukratzen. Es ist schwieriger, als man denkt, und vor allem sehr schmutzig. Man bekommt die scharfkantigen Seepocken überall hin, in die Haare, in die Kleidung. Wenn man den noch festsitzenden Pocken mit den Händen zu nahe kommt, hat man schnell einen Schnitt in der Haut. Nach vielleicht 1/4 der Fläche hatte ich erstmal genug und vertagte die weitere Arbeit.


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15.9.19
#208

Heute bin ich von Vonitsa Richtung Rouga-Bay abgefahren. Weil die Festina Lente doch recht lange im Hafen lag, habe ich etliche und auch gute Bekanntschaften gemacht, die sind nach und nach alle abgefahren, sei es um die Reise fortzusetzen oder das Boot für den Winter einzulagern. Letztlich habe ich auch Bedenken, daß das Wetter hier seinem schlechten Ruf für den Winter gerecht wird, obgleich bis jetzt wenig davon real zu spüren ist. Durch die lange Liegezeit hat sich vor allem im Cockpit eine "Lehmschicht" angesammelt, und ich habe schon gestern abend begonnen, das Schiff für die Fahrt vorzubereiten, und die Dinge wegzuräumen und zu verstauen.
Weil die Gribfiles zumindest für den Vormittag schwachen Wind aus der falschen Richtung versprachen, habe ich mich nicht sehr beeilt. Mit Motor bin ich ein Stückchen rausgefahren, und habe alle Segel gesetzt. War aber zunächst nur Rumgedümpel in der Windstille. Zwar kam nach und nach etwas mehr Wind, aber sehr unstetig. Es reichte nicht, um ordentlich aufzukreuzen. als ich dann erkennen mußte, daß das Tageslicht so nicht reichen würde, habe ich die Segel heruntergenommen, und bin das letzte Stück mit Motor gefahren. Dabei wurde deutlich, daß der starke Bewuchs des Rumpfes ein ordentliches Stück Geschwindigkeit kostet Ich wurde schon erwartet.

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14.9.19
#207

Der Herbst nähert sich in großen Schritten, die Morgentemperatur fällt schon unter 20°C, obgleich es unter Tags noch weit über 30°C warm wird. Ich schlafe nunmehr mit Decke, und es wird absehbar, daß ich auch demnächst das Niedergangsluk über Nacht schließen muß. Da anderen Luken sind längst schon zu. Im Hafen wird der Durchsatz an Schiffen größer, es macht sich Aufbruchsstimmung breit, dennoch gibt es immer noch keine dauernd freie Plätze. Das Angebot in den kleinen Supermärkten und Läden ändert sich, Sommer- und Touristenware gibt es nicht mehr, kein Speiseeis mehr, und auch keine Badeartikel. In den Restaurants war es bisher üblich, daß man zusammen mit dem Essen einen Bon aus der Registrierkasse auf den Tisch gestellt bekam. Man hat mir gesagt, daß die Finanzpolizei sehr darauf achtet, und wenn sie einen Wirt ohne ordentlich registrierte Abrechnung erwischen, das Lokal sofort und mitleidlos geschlossen würde. Ich kenne das aus Italien, wo man aus der gleichen Motivation heraus für jede auch noch so kleine Zahlung einen Ausdruck der Registrierkasse aufgedrängt bekam, dort haben sie das vor etwa 20 Jahren eingeführt. Ich bin nun zum Abschluß meines Aufenthalts hier mit meinen Schiffsnachbarn Essen gegangen, man hat mich freundlicherweise eingeladen. Man bekommt hier als erstes eine große Papierserviette als Tischtuch über den Tisch gebreitet, das Essen war gut wie immer, aber die Abrechnung hat sich grundlegend geändert: Kein Kassenbon mehr. Auf die Frage nach der Rechnung kam der Wirt, ein freundlicher, sich wie alle Wirte verbindlich gebärdender älterer Herr, mit gezücktem Kugelschreiber herbei, schob in souveräner Weise die abgegessenen Teller etwas beiseite und schrieb in großen Ziffern die Rechnung keinen Widerspruch duldend auf das Tischtuch. Das begleitete er in einem Kauderwelsch aus griechischen, englischen, und deutschen Worten, für mich nur bruchstückhaft verständlich. Dabei addierte er in geheimnisvoller Weise etliche Posten zu Zwischensummen, die er auf das Tischtuch notierte. Am Ende summierte er alles in routinierter Weise auf, und kam zu einer Summe, die meines Erachtens mehr als doppelt überhöht war, gemessen an den Erfahrungen die ich in den Wochen vorher mit anderen Leuten, aber vergleichbaren Essen gemacht hatte. Die Summe ergab auch in überraschender Weise einen glatten Betrag, der sofort einkassiert wurde. Genauso wie sonst wurde sehr schnell das Geschirr abgeräumt, und das Tischtuch zusammengeknüllt und entsorgt. Zurück blieben zwar satte, aber etwas ratlose Gäste, und keinerlei Beleg.
Die Art und Weise, wie das ablief läßt vermuten, daß das die langgeübte Praxis aus der Zeit vor der Bedrohung durch die Finanzpolizei war. Ob dieses Schicksal nur die Touristen trifft, oder ob auch die Einheimischen Gäste betroffen sind kann ich nicht sagen. Es wäre jedoch die auch in den südlichen Donauanrainern allenthalben geübte Praxis, die Touristen mit drastisch überhöhten Preisen abzuzocken.

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5.9.19
#206

Beim Durchstreifen von Vonitsa sind mir immer wieder Baulücken aufgefallen, zwar nicht an der Hauptstraße, aber in den Nebenstraßen gibt es viele. Schließlich bin ich an so eine Lücke gekommen, die nicht komplett aufgeräumt war, und man die Ursache sehen konnte: Erdbeben! Da konnte man bizarr geborstene Mauern sehen, die in seltsamen Winkeln zueinander standen, von ihren Fundamenten heruntergeschoben waren, und breite Risse aufwiesen. Halb und ganz eingestürzte Gewölbe über Fenstern und Türen, keine Mauer höher als 3m. Nachdem das hier alles 2- und 3-stöckige Gebäude sind, kann man sich nur schwer vorstellen, welche Katastrophe das mal war. Man hat auch hier allen losen Schutt entfernt, und nur die sicher stehenden Mauerteile erstmal stehen lassen. Es fehlt wohl an Geld, die Lücke zu schließen.
Allerdings ist diese offenbar traditionelle Bauweise in keinster Weise Erdbebenfest, einfaches Bruchsteinmauerwerk, das sicher weder zug- noch druckfest ist, es wurden auch keinerlei Armiereisen verbaut. Auch die Griechen werden aus Erfahrung klug, die aktuelle Bauweise schaut ganz anders aus, Betonskelettbauten, für meine Begriffe reichlich Überdimensioniert, auch die Ausfachung des Skeletts aus Beton, nicht aus Ziegelmauerwerk. Vermutlich ebenso wg. Geldmangel stehen viele Rohbauten herum, an denen man diese Bauweise studieren kann. Auch wird gewöhnlich das Erdgeschoß in Betrieb genommen, sobald die Decke drauf ist, und das Skelett weiter oben nur angefangen, aber bei weitem noch nicht fertig ist. Am Zustand vor allem der Armiereisen kann man sehen, daß die Baupause viele Jahre oder gar Jahrzehnte dauert.
Ich meine, trotz der Massivität ist das noch nicht wirklich Erdbebenfest. Bei der Fahrt durch den Kanal von Korinth konnte man an den Verwerfungen im Schichtbild ablesen, welche gigantischen Gewalten da im Spiel sind, um die Schichten meterweit in der Höhe und nach der Seite zu verschieben. Da wird auch gut armierter Beton brechen, weil er einfach zu schwer ist. Und die Griechen haben offenbar darüber hinaus Probleme mit der Rezeptur des Betons, was man an verschiedenen Stellen, z.B. am neu gebauten Hafenkai überdeutlich sehen kann.

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4.9.19
#205

Nun bin ich schon länger in Vonitza, der Rückflug ist gebucht, das Winterlager für das Schiff organisiert, und das Wetter immer noch hochsommerlich. Allerdings steht die Sonne mittags nicht mehr ganz so hoch, und die Tage werden merklich kürzer. Östlich direkt neben der Festina Lente liegt ein großes, hohes Motorboot, gleich hinter dem Kai beginnt der steile Burgberg von Vonitza, das bewirkt, daß ich erst ab ca. 10:00 Vormittags direkten Sonnenschein bekomme, und schon nachmittags um 15:00 verschwindet die Sonne hinter den Bäumen. Dadurch ist es zwar deutlich kühler im Schiff, aber ich bekomme Energieprobleme. Kochen geht nicht mehr, nichtmal mehr der Morgenkaffee, es reicht knapp noch für den Computer und die Beleuchtung. Anderen hier geht es noch schlimmer, schon seit etlichen Tagen lassen die Nachbarn täglich viele Stunden ihre Maschinen laufen, um die Akkus zu laden. Bald werde ich das auch machen müssen, besonders wenn mal ein trüber Tag ohne Sonnenschein ist, was wir hier auch schon hatten.
Ansonsten ist das Wetter eher angenehmer, Die Tagestemperaturen erreichen die 40°C nicht mehr, und in der Nacht nur noch 20°C, Die Tage nicht mehr durchgängig sonnig, der Wind vielleicht ein klein wenig stärker, aber alles noch berechenbar. Das Wasser zum Baden 27°C, wie in der Badewanne.
Insgesamt eigentlich die bessere Zeit, um hier Urlaub oder Segelurlaub zu machen.

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28.8.19
#204

Weil man mir ein Ersatzteil mitgebracht hatte, habe ich nun das zerbrochene Solarpanel ersetzt. Eigentlich kein Problem, weil ich aber zur Befestigung in den Rahmen Gewindelöcher eingeschnitten hatte, entstand die Notwendigkeit, das bei dem neuen Solarpanel ebenso zumachen, es mußte also ein Gewindebohrer mit 5mm her. Inzwischen hatte ich mir Vonitsa ziemlich erlaufen und kannte die 3 am Ort vorhandenen Eisenwarenläden. Aber einer nach dem anderen verneinte die Erhältlichkeit dieses Allerweltteiles. Dabei hatten sie schon grundsätzlich Gewindebohrer, nur eben nicht mit 5mm. Bei dieser Suche konnte ich nicht umhin, das Drumherum genau zu beobachten. Alle drei Läden waren verhältnismäßig klein, zwischen 150 und 300qm Verkaufs- und Lagerfläche, und waren offenbar bemüht, ein Sortiment vorzuhalten, wie man es von einem deutschen Baumarkt gewohnt ist, mit jeweils geringfügig anderen Schwerpunkten. Dabei werden, wohl wegen der kleinen Fläche, die Waren dicht gestapelt, und es gibt jeweils nur wenige Exemplare oder gar nur Einzelstücke. Aufgefallen ist mir jedoch, daß es keine für mich erkennbare Ordnung gab, allenfalls sehr grob nach Sachgruppen, und in den Läden niemand anwesend war, der sich darin auskannte.
In Myrina auf Limnos hatte ich mir einen Riegel zum Ersatz eines zerbrochenen Plastikteils gekauft, in dem einzigen und winzigen einschlägigen Laden, den ich dort gefunden hatte stand an einer Theke ein Verkäufer, die Wand hinter sich vom Boden bis zur Decke mit Pappschachteln vollgestapelt. Als ich mein Anliegen vorgebracht hatte, zauberte der Verkäufer mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit aus dem Berg Schachteln hinter sich genau das Teil hervor, das ich brauchte, und verkaufte mir das zu einem Preis, der in einem deutschen Baumarkt vermutlich höher ausgefallen wäre.
Meine Hoffnung, das in Vonitsa ähnlich zu erleben, zerstob, und mein Eindruck angesichts der unsortierten Haufen war, daß sie nicht wissen, was sie haben oder nicht haben, daß sie kein Warenwirtschaftssystem haben und niemals Inventur machen. Die Liebe der Griechen zur Bürokatie scheint sich auf staatliche Stellen und Beamte zu beschränken.
So eine lückenhafte Versorgung mit Werkzeug und Material ist ein ernstes Hindernis für eine funktionierende Wirtschaft, und erklärt einiges der offensichtlichen Rückständigkeit.
Was die Eu mit der Einzelförderung von Großprojekten mit viel Geld macht, ist nicht zielführend und nicht geeignet, an der grundsätzlichen Situation etwas zu ändern. Es ist ein Mentalitätsproblem und nur durch Schulung der einzelnen Menschen zu verbessern. Wenn die EU, statt überdimensionierte und unbrauchbare Häfen zu bauen berufsbildende Schulen betreiben würde, wäre mehr gewonnen!

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14.8.19
#203

Wieder allein, habe ich das Bearbeiten des Schiffes wieder aufgenommen. Der Not gehorchend, weil meine saubere Wäsche zuende war, habe ich mich erstmals mit der Waschmaschine befaßt. Ich hatte vorher nur deren Vorhandensein festgestellt, aber nichts weiter unternommen. Ich habe sie nun aus ihrem Platz unter der Liegefläche in der Achterkajüte herausgeholt, und ganz nebenbei dabei auch das Besanstagsegel gefunden, das ich zuhause vergessen glaubte.
Es ist eine Minimal-Waschmaschine, ein Toploader für vielleicht 2kg Wäsche, einziges aktives Element der Antriebsmotor für die Trommel mit Zeitschaltuhr, sonst nichts. Kein Schleudern, kein Zu- oder Ablauf, Heizung sowieso nicht. Hat natürlich zunächst nicht funktioniert, aber mit dem schwergängigen Abschalter im Deckel war die Ursache schnell gefunden und beseitigt. Weil die Maschine nicht schleudern kann, braucht man viel Spülwasser, ich habe insgesamt 30l Wasser, kostbares Süßwasser, verbraucht. Es macht daher nur Sinn, wenn ein Wasserhahn (oder voller Tank) in der Nähe ist. Trotz dem der Anschlußwert des Antriebsmotors nicht mal 500W ist, stellt sich das Energieproblem beispielhaft für Inselbetriebe. Als einzige Stromquelle habe ich meine Solarpanels, und damit geht es! Ich habe bis Mittag gewartet, bis die Solarpanels volle Leistung bringen, und die ganze Waschaktion hat etwa 1 Stunde gedauert, danach waren die Akkus noch nicht ganz leer, und waren bis Abends wieder einigermaßen voll.

Diese Energieverhältnisse könnten auch als Beispiel für die Bewältigung kommender Energieprobleme dienen. Normalerweise lebe ich auf dem Schiff sehr sparsam, unverzichtbar ist nur der Computer, die Beleuchtung und der Ventilator (wg. der Hitze) Das verbraucht etwa 30% der maximal zur Verfügung stehenden Energie. Beleuchtung und Ventilator hängen direkt am 12V-Netz, sind daher maximal sparsam. Der Computer erfordert allerdings den Betrieb des 230V-Wandlers, der schon mehr verbraucht. Weil ich elektrisch koche (mit Induktionsplatte) braucht auch dieser energiefressende Vorgang den Betrieb des Wandlers. Es hat sich gezeigt, daß das regelmäßige Kaffekochen morgens kein Problem ist, wenn man am Abend vorher genug Ladung in den Akkus hinterlassen hat. Will man ein (einfaches) warmes Mittagessen zubereiten, geht das auch, wenn die Sonne scheint. Allerdings geht das nicht zusammen mit Waschen, es sind Alternativen, entweder oder! Natürlich könnte ich Generator/Hauptmaschine anwerfen, aber das will ich unbedingt vermeiden. So gesehen geht eigentlich alles, was man mit der Energie so macht, allerdings nicht ohne Überlegung bzw. Einschränkung!

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13.8.19
#202

Heute morgen haben meine Gäste mich wieder verlassen. Wolfgang hat mit seinem PKW den Transfer zum Flughafen gemacht, leider mußte er sehr früh aufstehen, weil es der erste Abflug des Tages war. Obgleich wir nicht viel zu früh am Flughafen ankamen, war dort noch alles geschlossen, wir mußten außen eine Viertelstunde warten, bis der Check-In geöffnet wurde.

Nachdem meine Gäste keine wirklichen Segel-Enthusiasten waren, haben wir für diese Woche das Segeln stark reduziert, und stattdessen mehr Wert auf "chillen" gelegt. Die beiden Hafenorte waren dafür auch bestens geeignet, beide mit Strand (und Stranddusche), mit guten und preisgünstigen Restaurants entlang der Hafenpromenade, mit antiken Ruinen und Ausgrabungen, mit Hinterland für Ausflüge. Ich hatte zwar eine Segeltour rund um die Insel Levkas vorbereitet, aber man war mit den zwei Segeltagen von Vonitsa nach Preveza und zurück vollauf zufrieden. Obgleich die Distanz von Vonitsa nach Preveza nicht allzu groß ist, hat das Kreuzen gegenan den Tag mit reichlich Segeln gefüllt, und keinen großen Bedarf nach mehr geweckt.
Meine größte Befürchtung ist nicht eingetroffen: es ist niemand seekrank geworden, denn da hätte ich nichts dagegen tun können. Es war allerdings auch kaum ein Anlaß dafür, denn die zwei Touren beschränkten sich auf das Innere des Ambrakischen Golfes, und der ist für einen richtigen Seegang einfach zu klein.

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10.8.19
#201

Planmäßig sind wir heute morgen wieder zurück nach Vonitsa gefahren. Der Abschied fiel durch den unangenahmen Nachbarn eher leicht, unser Nachbar auf der anderen Seite hatte offenbar wegen dieses Skippers sein Schiff noch gestern Abend verlegt.
Die Gribfiles sagten für die ganze Tour Rückenwind platt von hinten voraus. Wir sind wieder mit Motor den Tonnenweg durch das flache Ende der Bucht gefahren, und richtig erhob sich eine leichte Brise aus der vorhergesagten Richtung. Wir haben nur die Genau hochgezogen, und es war ein sehr entspanntes, wenn auch langsames Segeln.
Mittags hatten wir dann das zu umfahrende Kap mit der kleinen vorgelagerten Insel erreicht, und weil der Strand dort so einladend herüberleuchtete, haben wir vor diesem Strand geankert, um dort zu baden. Leider haben die dort reichlich vorhandenen Seeigel einige Spuren hinterlassen. Als wir dann wieder weitersegelten, hatte der Wind ordentlich zugelegt, daß wir mit Rauschefahrt den Hafen von Vonitza eher schnell erreichten. Ein paar hundert Meter vor dem Wellenbrecher haben wir die Genua heruntergenommen und sind mit Motor in den Hafen reingefahren, und dort richtig eine, wenn auch nur eine einzige Lücke für uns entdeckt. Wir haben versucht, da rückwärts hineinzufahren, aber durch den starken Wind, der quer zur Fahrtrichtung blies, haben wir das bald aufgegeben, wieder aus dem Hafen raus und vor dem Strand geankert. Abends, beim letzten Licht, haben wir es dann nochmal versucht. Es war so gut wie kein Wind mehr, die Lücke war noch frei, und siehe da, wir haben dieses doch eher schwierige Manöver mit Erfolg durchgezogen, ohne das Nachbarschiff zu touchieren. Das war dann zumindest für meine Gäste ein erfolgreiches Ende der Segeltour.

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9.8.19
#200

Heute nachmittag gab es an unserem Liegeplatz im Hafen von Preveza ein bedenkliches Vorkommnis. Wir lagen "römisch-katholisch", also senkrecht zum Kai mit vielleicht 2m Abstand zum ebenso liegenden Nachbarboot. Da kam ein weiteres Segelboot angefahren, um sich in diese Lücke zu quetschen, obgleich am selben Kai ein paar Schiffe weiter noch über 100m freier Platz war. Zuerst touchierte der Skipper das Nachbarboot und brachte dessen Skipper in Aufregung, dann blieb er in der engen Lücke mit etwa 8m Abstand zum Kai stecken. Ohne mein Schlauchboot, das in dieser Lücke gerade Platz hatte, zu berücksichtigen, hat er sich dann die restlichen Meter mit seiner Winsch mit Gewalt zum Kai gezogen, sodaß an den jeweils nächsten Nachbarbooten die Fender plattgequetscht wurden. Irgendwelche Kommunikation hat der Skipper verweigert, obgleich er offensichtlich der englischen Sprache mächtig war. Ich kann mir nur vorstellen, daß er dieses Anlegemanöver nicht beherrscht, und froh war, irgendwie angekommen zu sein, und deshalb den leichten Ausweg an einen anderen Liegeplatz nicht nehmen wollte. Wenn wie in diesem Fall Unvermögen und Rücksichtslosigkeit zusammentreffen, wird es gefährlich und schadensträchtig.

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7.8.19
#199

Gleich morgens sind wir Richtung Preveza losgefahren. Mit Motor nur aus dem Hafen raus und dann alle Segel hoch. Zunächst war der Wind sehr schwach, das Kreuzen brachte keinen Luvgewinn, aber nach einer Stunde frischte der Wind auf, es wurde richtig sportlich. Mit weiten Kreuzschlägen sind wir um das Kap mit vorgelagerter Insel herumgefahren und dann in die Bucht von Preveza hineingekreuzt, alles gegenan. Tiefer in der Bucht wurde das Wasser flacher, und der befahrbare Teil ist da mit Tonnen markiert. Die Kreuzschläge wurden immer enger, und durch die Übung bekamen wir mit dem Wenden richtig Routine. Erst vielleicht eine halbe Seemeile vor dem Hafen haben wir die Segel heruntergenommen und sind den Rest mit Motor gefahren. Das romisch-katholische Anlegen war etwas schwierig, einerseits war der Wind noch recht stark, andererseits hatten wir als Mannschaft keine Übung und machten das zum erstenmal.
Preveza ist eine Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern, ganz auf den Hafen und seine Promenade ausgerichtet, mit vielen Restaurants und Bars direkt am Hafen, mit Blick auf die vielen hier angelegten Yachten und die weite Bucht.

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6.8.19
#198

Heute kamen meine lange erwarteten Gäste am Flughafen von Preveza an. Dieser Flughafen ist im gewissermaßen eine Minimalausführung, zwar alles da, wie es sich gehört, aber klein und einfach. Alles funktioniert, sogar die Halle ist klimatisiert, und durch die geringe Größe des Flughafens gibt es freie PKW-Parkplätze außerhalb des Flughafengeländes in Fußgängerentfernung. Auch dadurch war der Transfer nach Vonitza kein Problem, trotz Hitze und Gepäck war niemand überfordert.
Wie bestellt war am Abend im Hafen von Vonitsa Fischerfest mit Lifemusik, Feuerwerk, Himmelslaternen und einem riesigen Auftrieb von Besuchern. Da muß man sich wundern, wo bei diesem kleinen Städtchen die vielen Leute herkommen! Es war jedenfalls alles sehr griechisch, abgesehen von den Luftballons mit LED-Beleuchtung und den kunterbunten LED-Fackeln.
Ja, und leider gibt es bis auf Weiteres keine Bilder mehr, denn meine Kamera hat den Geist aufgegeben.

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31.7.19
#197

Heute habe ich schweren Herzens die Rouga-Bay verlassen. Ich habe auf dieser Welt nicht viele Orte angetroffen, die in derart idealer Weise meiner Vorstellung von Urlaub entsprechen. Es muß auch nicht mit Schiff sein, auch mit Wohnmobil oder Zelt wäre das perfekt, oder sogar noch besser. Es hätte sicher noch eine Weile gedauert, bis es mir zu langweilig geworden wäre. Meine Gäste, die ich nächste Woche erwarte, wollten jedoch zum An Bord gehen einen richtigen Kai, um trockenen Fußes übersteigen zu können. Der Transfer mit dem Schlauchboot ist nicht jedermanns Sache. Um diesem legitimen Ansinnen Rechnung zu tragen, ist Vonitsa der nächste Hafen, auch nicht viel weiter vom Flughafen entfernt als der Hafen von Preveza.
Die Gribfiles versprachen den üblichen Wind mit 3Bft, der am späten Vormittag aufkommt und dann am Abend wieder einschläft. Allerdings genau aus West, also alles gegenan. Aus Erfahrung weiß ich inzwischen, daß es auch 3 Windstärken mehr werden könnten, also bis 6Bft. Weil die Distanz von Rouga-Bay bis Vonitsa eher gering ist, gerade mal 5sm Luftlinie, wollte ich so viel wie möglich segeln, Ich habe deshalb eher früh den Anker hochgeholt, er war nicht vertörnt, und bin nur ein paar 100m mit Motor gefahren, um aus dem Feld der anderen Ankerlieger herauszukommen. Bei nahezu Windstille habe ich alle Segel gesetzt, und in Erwartung von etwas mehr Wind begonnen, aus der Rouga-Bay herauszukreuzen. Bei den ersten Kreuzschlägen ging die Festina Lente nicht von selbst durch den Wind, da habe ich mit Motor nachgeholfen. Erst nach vielleicht 2 Stunden bin ich auf den Golf hinausgekommen, und dort auf richtigen Wind gestoßen. Der hat aber so nach und nach zugelegt, bis sich die Festina Lente wieder ziemlich übergelegt hat, und wieder diese Neigung zum Anluven gezeigt hat, wie immer, wenn der Wind recht stark ist. In dieser Situation kann ich sie nicht alleine laufen lassen, sie würde einfach im Wind stehen bleiben. Ich muß das Ruder gegen das Anluven halten, um die Fahrt nicht zu verlieren. Erst gegen Spätnachmittag habe ich das letzte Kap gerundet und konnte direkt auf Vonitza zufahren. Zuerst bin ich etwas weiter nach Osten gefahren, um im Windschutz der dortigen Hügel die Segel leichter herunterzubekommen. Leider mußte ich feststellen, daß die Flickstelle in der Genua wieder aufgegangen war. Dann habe ich mich mit Motor vor den Strand begeben, und dort etwa 200m vor dem Ufer geankert. Im Fernglas habe ich im Hafen mehrere freie Plätze gesehen, und draufhin Wolfgang angerufen, damit er mir hilft, römisch-katholisch anzulegen. Er war auch richtig mit seinem Roller nach 15min da, ich habe für diese Strecke den ganzen Tag gebraucht. Ich mußte nun feststellen, daß man für dieses Manöver eine wirklich gut eingespielte Mannschaft braucht. Das in der Seefahrt übliche hierarchische Prinzip, bei dem der Skipper alles bestimmt, taugt hier nur bedingt. Damit der Rudergänger ordentlich gerade Rückwärtsfahren kann, braucht es schon ein ziemliches Tempo. Da muß der Mann am Anker schon wissen, wann er den Anker zu werfen hat, denn der Rudergänger ist mit dem Rückwärtsfahren vollauf beschäftigt. Dann muß der Mann an der Ankerwinsch soviel Kette geben, daß die Rückwärtsfahrt nicht nennenswert gebremst wird, und das Heck richtig am Kai ankommt. erst kurz vor der Berührung, muß das Schiff durch die Kette gebremst werden. Da muß der Rudergänger jedoch schon mit dem Festmacher an Land gesprungen sein.
Ich habe dieses Manöver in Methana mit einer offenbar sehr versierten Mannschaft völlig reibungsfrei auf den ersten Drücker durchgezogen, nun war es erheblich schwieriger, und hat reichlich Hafenkino erzeugt.

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11.7.19
#196

Vergangene Nacht zog ein gewaltiges Gewitter mit einem dramatischen Feuerwerk über den Ambrakischen Golf, das in mir unliebsame Erinnerungen an das Schwarze Meer weckte. Die zugehörigen Windböen brachten wiedermal meinen Anker zum slippen. Man konnte in den Bergen ringsum viele Einschläge sehen, aber keinen auf dem Wasser oder gar in einem der hier vor Anker liegenden Yachten. Weil ich in solchen Situationen immer um den Anker fürchte, konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen, und durch die vielen Blitze war mir durchaus mulmig zumute.
Der heutige Morgen brach mit makellos blauem Himmel an, so als ob nichts gewesen wäre. Weil die Festina Lente doch sichtlich einige 100m vertrieben war, habe ich den Anker hochgeholt, um zum alten Platz zurückzufahren.

Da erschien der Anker viele Male umschlungen von seiner Kette an der Wasseroberfläche, absolut funktionsunfähig. Nachdem das schon öfter passiert war, wußte ich schon, wie man das wieder hinbekommt. Ich habe den Anker mit einem Seil abgefangen, und die nun entspannte Kette mühsam mit dem Bootshaken vom Anker abgewickelt. Als ich dann das Seil wieder herausnehmen wollte, hat der Anker durch die verdrehte Kette vielleicht 10 mal rotiert, und dabei das Seil um die Kette gewickelt, nochmal eine Abwicklung. Während des ganzen Manövers war die Festina Lente am Treiben, sodaß ich mehrere Male unterbrechen und zurückfahren mußte. Alles zusammen 2h Arbeit am frühen Morgen! Gottseidank bei harmlosem Wetter!

Die Konsequenz: dieser Anker, ein Danforth-Anker mit ca. 40kg, ist ungeeignet. Wenn das Schiff schwoit, also um den Anker rotiert, verwickelt er sich regelmäßig in die Kette, und verliert die Funktion. Ein neuer Anker muß her, momentan sind Bügelanker en vogue, die haben nur eine Fluke und verwickeln sich nicht so leicht.

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8.7.19
#195

Weil ich die griechische TEPAI-Steuer nur für den Juni bezahlt hatte, war die wieder fällig, und weil es hier so schön ist, wollte ich die Steuer auch gleich für den August bezahlen. In Myrina auf Limnos hatte ich mit dieser Zahlung einen ganzen Tag und viele Irrwege lang zu tun, hier im Hafenbüro von Vonitza brauchte es insgesamt 4 Fahrten mit Wolfgangs Motorroller nach Vonitza und 4 Tage.
Gedacht ist, daß man diese Steuer komplett online abwickelt, leider funktioniert das in Griechenland überhaupt nicht, denn als Ausländer und Nicht-Einheimischer hat man gewöhnlich keinen Internetzugang. Man ist daher auf aktive Hilfe der Beamten im Hafenbüro angewiesen, die das über ihre Computeranlage durchführen. Auch wenn man einen kooperativen Beamten findet, heißt das noch lange nicht, daß man damit vorankommt. Erst nach vielen Telefonaten (Die Büroleiterin in Vonitza hat extra im Hafenbüro von Myrina angerufen) und noch mehr Hin und Her gelang es, das Papier mit der zugehörigen Steuererklärung auszudrucken. Während in Myrina alles Weitere kein Problem mehr war, wollte die griechische Nationalbank in Vonitza die zugehörige Überweisung nicht vornehmen. es mußte erst noch eine Bank gefunden werden, die bereit war, das Geld zu akzepieren und eine Quittung herauszugeben.
Diese Steuer ist für den griechischen Staat durch den übermäßigen Verwaltungsaufwand eindeutig ein Verlustgeschaft. Man hätte besser daran getan, auf diese Steuer zu verzichten und die Segeltouristen nicht damit zu verärgern.
Die eigentlich löbliche Absicht geht total in die Hose, weil die griechische Beamtenschaft Dienst nach Vorschrift macht, und Veränderungen und Neuerungen grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Weil ein Tourist meist weder einen Internetzugang hat, noch die Möglichkeit hat, etwas auszudrucken, funktioniert das angedachte Konzept nicht. Ganz abgesehen davon würde ich niemals Bezahldaten meines Bankkontos über ein undefiniertes Internet schicken.
Dabei ist eine Nichtzahlung dieser Steuer mit drakonischen Strafen bewehrt. Eine kafkaeske Situation.
Mein Eindruck ist, die Situation mit dieser Steuer steht beispielhaft für die ganze wirtschaftliche Misere in Griechenland. Es sind ganz einfach viel zu viele und vor allem zu untätige und unwillige Beamte. Jeder Versuch den "Kuchen zu vergrößern(*)" führt nur tiefer ins Defizit.

*"Den Kuchen vergrößern" war der Wahlslogan von Alexis Tsipras; Seine Partei hat die Parlamentswahl und damit die Regierung auch richtig verloren!
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30.6.19
#194

Weil er sich hier wie ein Einheimischer auskennt, ist mein Cousin das letzte Stück bis zu seinem Urlaubsort mitgefahren. Ich habe das als sehr wohltuend empfunden, nicht mehr alles und jedes ständig im Griff haben zu müssen, es war ein sehr entspanntes Fahren. Wir sind sogar ein Stückchen gesegelt, wenn wir auch gegenan kreuzen mußten. In der sehr idyllischen Rouga-Bay haben wir geankert. Sein Boot steht hier noch an Land aufgebockt. Hier werde ich eine ganze lange Weile bleiben, bis ich und das Schiff wieder erholt sind.

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29.6.19
#193

Weil das restliche Stück Weges nach Preveza durch enge Kanäle und Tonnenwege führt, habe ich nicht versucht zu Segeln, obgleich der Wind das zugelassen hätte. Ich habe auch den Besan heruntergenommen und festgebunden, den ich vor allem zum Ankern sonst immer obenlasse. Das Land hier ist durchsetzt mit Salzmarschen, es erinnert an die Gegend um Aigues Mortes westlich der Rhonemündung. Der Verkehr mit Freizeitbooten aller Art hat sehr zugenommen, man fährt z.T. im Konvoi. Im Hafen von Preveza dachte ich erst, das wäre so ähnlich organisiert wie in Linaria, aber ich mußte erkennen, daß diese Hilfe nur Charterbooten zuteil wird.

Da habe ich ganz am südlichen Ende des Kais an einem freien Stück längseits angelegt, das kann ich ohne Unterstützung. Und ich habe meinen Cousin auch richtig getroffen!

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28.6.19
#192

Weil mein Opencpn seit Methana funktioniert, navigiere ich nun damit. Dieses Navigationsprogramm protokolliert alles minutiös und genau mit. Weil ich mich für die kurze Tagesetappe nach Mytikas statt der langen nach Preveza entschieden hatte, und der Wind zwar genau in die Bucht von Astakos hineinstand, aber sonst ganz passend war, bin ich unter Segeln mit insgesamt 19 Kreuzschlägen aus der Bucht herausgekreuzt. Wenn man genau hinsieht, wird auch erkennbar, wo ich gewendet und wo gehalst habe. Dieses Kunststück dauerte etwa 4 Stunden (gegenüber 1/2 Stunde, wenn ich mit Motor gefahren wäre). Erschwert wurde das noch durch eine ungünstige Winddrehung, vielleicht hätte ich eine Stunde früher abfahren sollen, dann wäre es leichter gegangen. Leider ist der Wind komplett eingeschlafen, kaum daß ich aus der Bucht herausen war, und ich mußte doch mit Motor weiterfahren. In Mytikas habe ich erst garnicht versucht, in den Hafen einzulaufen, sondern habe gleich vor dem Strand geankert.

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27.6.19
#191

Weil ich gestern mehr oder weniger gezwungenermaßen so weit gefahren bin, leiste ich mir wieder einen Ruhetag. Vielleicht 100m mit dem Schlauchboot zum Strand, es gibt hier gute Einkaufsmöglichkeiten, Wind und Seegang halten sich in engen Grenzen.

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25.6.19
#190

Hinter der Mole am Kanalausgang erwartete mich heftiger Seegang und starker Wind, 6-7 Bft aus Nord. Mit Dieselkraft fuhr ich zum nördlichen Ufer der Bucht von Korinth, und fand dort auch richtig etwas Ruhe, um alle Segel zu setzen. Damit segelte ich aus der Bucht heraus, hoch am Wind (*), um das nördliche Ufer des Golfes und damit etwas ruhigere Verhältnisse zu gewinnen. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Offenbar sorgten die sehr hohen Berge am Nordufer des Golfes für derartige Fallwinde, daß der Wind nicht nur sehr unstetig, sondern in Böen auch noch viel stärker war, ich kann es nur schätzen, aber 10Bft als Spitzenwert schien mir möglich. Bei solchen Winden spielt der Seegang kaum noch eine Rolle, das Schiff legt sich so über, daß die Leeseite des Decks unter Wasser gerät. Am Ruder steht man dann breitbeinig mit einem Fuß auf der Rückenlehne des Cockpits, dem anderen Fuß noch am Cockpitboden. Auch nicht gerade bequem, weil die Winkel zu Abstützen nicht passen. Man kann sich dann nur noch am Steuerrad festkrallen und hoffen, daß nichts bricht. Dabei lernte ich auch eine Schutzfunktion der Festina Lente kennen: Wenn der Wind in einer Bö so stark wird, luvt(*) das Schiff so heftig an, daß man das selbst mit hart Ruder(*) nicht verhindern kann. Dabei wird der Ruderdruck so groß, daß ich Angst um den Rudermechanismus bekam, eine maximal ungemütliche Situation. Normalerweise ist das ein deutliches Signal, die Segelfläche zu verleinern, also zu reffen. Aber ich sehe mich außerstande, allein da irgendwas in diesem Sinne zu unternehmen, ich könnte allenfalls ein Fall loswerfen, aber das Segel würde das folgende Flattern nicht aushalten. Ich habe dann versucht, das Beste aus dieser Situation zu machen, und soviel West wie möglich zu fahren. Und ich muß sagen, die Festina Lente ist schon ein braves, tapferes altes Mädchen, was sie da alles klaglos eingesteckt hat, ist schon bewunderungswert! So bin ich unter der Nordküste des Golfes entlang nach Westen geprescht. Ab Nachmittag hielt ich nach einem Hafen Ausschau, aber an der Nordküste gibt es bestenfalls Ankerbuchten. Dreimal habe ich versucht, so eine Bucht anzulaufen, aber je näher ich den Bergen kam, umso stärker wurde der Wind. So habe ich das bald aufgegeben, und kam immer weiter nach Westen. Erst mit der Dunkelheit ließ der Wind etwas nach, aber da war es für einen Hafen oder Ankerbucht schon zu spät, ohne Sicht in sowas reinzufahren ist einfach zu gefährlich. Also immer weiter! Mit meinem GPS-Navi war es kein Problem, die Mitte des Golfes einzuhalten, und als der Wind schließlich ganz weg war, fuhr ich mit Motor weiter durch die Nacht. Etwa nach Mitternacht passierte ich die Straßenbrücke am Ausgang des Golfes, aber bis ich an dem Kap am Nordufer angekommen war, war es schon später Vormittag, wo ich den Kurs auf Nord ändern konnte. In dieser Gegend ist in der Karte alles als Naturschutzgebiet bezeichnet, und ich nehme an, sie mögen es nicht, wenn man dort ankert. Man sieht da auch nirgends ein Schiff vor Anker. Also immer Weiter!

Nach der Karte ist der nächstmögliche Hafen Astakos, dort kam ich am Abend an, 36 Stunden ununterbrochene Seefahrt unter ungünstigen Bedingungen in den Knochen. Nach Auswertung des Tracks waren es insgesamt 137 sm mit Spitzengeschwindigkeiten über 10Kts. Beginn 7:21 Ende 15:52 Durchschnittsgeschwindigkeit 4,2Kts, Reisezeit 1Tag, 8:30 (Seit Methana funktioniert mein OpenCpn, das protokolliert alles mit)

Bewährt hat sich unter diesen Bedingungen vor allem das Hardtop. Während das Schiff total salzüberkrustet war, blieb unter dem Hardtop alles trocken, Ich hatte kein Verlangen nach Schutzkleidung wie Ölzeug. Den Roller hats schwer erwischt, er hat reichlich Salzwasser abbekommen, und er ist entsprechend angerostet, genauso das Fahrrad.

(*) Anluven : das Schiff dreht sich in Richtung auf den Wind zu.
(*) Hart Ruder: Das Steuerrad bis zum Anschlag drehen.
(*) Hoch am Wind: Der kleinstmögliche Winkel zum Wind, den das Schiff gerade noch segeln kann
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