FESTINA LENTE 

Sur le Pont d’Avignon L'on y danse, l'on y danse Sur le Pont d’Avignon L'on y danse tous en rond    An der Schleuse Eibach
REISEBLOG
NIEDRIGWASSER
DONAU
SCHWARZES MEER
ÄGÄIS
IONISCHES MEER
HEIMATURLAUB
TIPS UND TRICKS
DAS SCHIFF
INVENTAR
TECHN. ANLEITUNGEN
FÜR GÄSTE
VIDEOS
LINKS
IMPRESSUM
STARTSEITE



Reiseblog Donau, der Anfang.


:

16.5.19 37sm - 0sm

Sulina. Der Endpunkt der Donaufahrt. Ganz anders als sonst haben sie hier einen langen Stadtkai, an dem auch noch reichlich Platz ist. Aus purem Zufall habe ich vor dem Restaurant "Marea Neagra" angelegt, die mir auf Nachfrage sofort ihr Wlan-Password verraten haben, und das Wlan reicht tatsächlich bis zum Schiff. 200m nach unten ein (kleiner) Supermarkt, 200m nach oben die Capitanerie und der Zoll. Tankstelle werde ich vorläufig nicht mehr brauchen, ab morgen wird gesegelt! Mein Glück ist damit vollkommen!

Die kleinen Schnellboote mit den Deltatouristen unterbrechen ihre schnelle Fahrt, wenn sie an meinem Liegeplatz vorbeikommen, und ihr Führer erklärt ihnen etwas über mich oder die Festina Lente, von dem er bestimmt keine Ahnung hat. Weil die Festina Lente das einzige Segelboot weit und breit ist, ist das wohl eine willkommene Attraktion.

weiter
15.5.19 48sm - 37sm

In Tulcea habe ich in der Hoffnung auf einen Internetzugang die ganze Wasserfront abgeklappert, aber keinen Anleger für mich gefunden. Dazu kommt, daß Tulcea so in einer Stromkurve liegt, daß sich große Wirbel bilden und sich die Stromrichtung mehrere Male umkehrt. Es kann also sein, daß man einen Anleger gegen den Strom anfahren will, bis man aber in seine Nähe kommt, läuft der Strom andersrum. Da helfen auch keine Fender mehr, das ist nur was für Einheimische mit intimer Ortskenntnis.

Ich habe dann weit hinter dem Ortszentrum, ohne jede Hoffnung auf Einkaufsmöglichkeit oder Wlan an einem Schrottkahn festgemacht. Auch hier fahren die kleinen, schnellen Touristenboot herum und machen große Wellen, nur hier sind es Touren ins Delta.
(Man beachte die parallel und senkrecht stehend Masten! Ich habe den Eindruck, daß sich das Rigg "setzt" und schraube immer wieder daran herum.)



14.5.19 75sm - 48sm

Die Festina Lente fährt sich mit stehenden Masten ganz anders als vorher mit den liegenden. Die Stampf- und Roll-Frequenz ist erheblich langsamer, was bewirkt, daß die Festina Lente souverän und unaufgeregt durch die Wellen hindurchgleitet. Erst die Bug- und Heckwellen der großen Seeschiffe bringen sie richtig in Bewegung.
Allerdings ist der Windwiderstand des Riggs erheblich gewachsen. Ein Gegenwind von vielleicht 6Bft kostet mindestens 2kts Fahrt, so daß man das Gegenanbolzen unter Motor besser sein läßt, es kostet unnötig viel Verschleiß und Diesel.

Zum Übernachten habe ich mir das im Handbuch wärmstens empfohlene Hotel "Dunarea" ausgesucht, vor allem in der Hoffnung, dort ein Wlan vorzufinden. War nichts. Die Terrasse abgebrochen und in den Fluß gerutscht, das Mobiliar vor den Gasträumen aufgestapelt, der Anleger an einer Stelle festgemacht, an die ich auch nach dreimaligem Anlauf(*) nicht herankam. Ich bin dann noch ein paar hundert Meter weitergefahren und habe dicht unter dem Ufer auf 3m geankert.

(*)Anlauf: Ein Boot kann man nicht schnell und kurzfristig manövrieren. Wenn man zu einer bestimmten Stelle fahren will, muß man das langfristig planen, und das Manöver besteht aus einer Kette von Einzelaktionen, die man während des Manövers nicht so ohne weiteres ändern kann. Wenn man sieht, daß man die anvisierte Stelle so nicht erreicht, muß man das Manöver insgesamt abbrechen und nochmal ganz von vorne anfangen. Das ist so ähnlich wie beim rückwärts Einparken mit dem PKW.

13.5.19 80sm - 75sm

Weil das Wetter hierfür so gut geeignet war, habe ich auch die Genua(*) angeschlagen(*). Auch da waren etliche Hindernisse zu überwinden. Als erstes waren alle Stagreiter(*) fest. Vorsichtig mit Zange und Rostlösespray habe ich alle wieder in Gang gebracht. Dann war von der unteren Fixierung des Segels am Bugbeschlag nichts mehr zu finden, ich hatte auch keine Ahnung, wie das vorher gemacht war. Ein übriggebliebener Verlängerungsbeschlag von den Wanten sowie ein großer Schäkel schien mir geeignet. Auch das Bergen habe ich gleich geübt, und das Segel entlang der Reling mit Gummistropps fixiert. Obgleich mir eine überfließende Menge von diesen Stropps an Bord zu sein schien, jetzt sind sie alle. Wo ich da noch welche herbekomme, weiß ich nicht.

Wie immer, wenn es mir gut gefällt, fällt es mir besonders schwer, mich loszureißen. Freundliche, nette Leute, man kennt so nach und nach einige sogar mit Namen, weiß wo man einkaufen kann, hat Dinge wie Wlan, Dusche und Waschmaschine zur Verfügung, ich hätte es hier noch länger ausgehalten. Schon um das alles nicht zu überstrapazieren, habe ich einen Schlußpunkt gesetzt, und bin, wenn auch erst am Nachmittag, abgefahren.

Der Fluß war ja noch nie richtig sauber, aber jetzt traf ich dort eine ungeheure Menge an Unrat an, jede Menge Gestrüpp und Bäume, und vor allem Plastikflaschen, ganze Teppiche davon. Weil ich weiß, daß unter ein paar harmlos ausehenden Zweigen auch ein dicker Baum hängen kann, war das Vorankommen ein ständiger Hindernisslalom.

Weil mir der nette Polizist mir das aufgetragen hatte, bin ich erstmal zum Polizeianleger gefahren. Dort traf ich allerdings zwei uninformierte Beamte an, die zunächst nichts mit mir anzufangen wußten. Nach einigem Hin und Her baten sie mich auf ihren Ponton, ich griff meine Mappe und stieg über. "No documents" sagte der eine Polizist, überreichte mir 2 Stück Kuchen und wünschte mir gute Reise.
Allzuweit bin ich dann nicht mehr gefahren, und habe noch in Sichtweite der Hafenkräne am rechten Ufer geankert.

(*)Stagreiter sind spezielle gegen eine Feder zu öffnende Ösen, die die Vorderkante eines Stagsegels mit dem Stag verbinden, in diesem Fall das Vorstag, das Drahtseil, mit dem der Mast nach vorne abgespannt ist.
(*) Die Genua ist gewöhnlich das größte Segel auf einem kleinen Segelschiff. Es wird mit Stagreitern am Vorstag befestigt und reicht fast bis zur Hinterkante des Großsegels.
(*) Segel anschlagen: Wenn das Schiff längere Zeit nicht genutzt wird, werden gewöhnlich die Segel komplett abgenommen und in ihren Säcken verstaut. Als Vorbereitung zum Segeln werden sie wieder angebracht so daß sie nur noch hochgezogen werden müssen. (In früheren Zeiten wurden sie womöglich tatsächlich angenagelt.)
weiter
12.5.19

Gestern habe ich das Herumbosseln am Rigg willkürlich beendet. Mehr ist da einfach mit den vorhandenen Mitteln nicht herauszuholen. Weil ich die Konstruktion des Riggs, was die Verbindung der beiden Masttopps betrifft, zunächst nicht verstanden hatte, habe ich die zugehörigen Verbindungen nicht in der gewohnten Sorgfalt kontrolliert. Erst als die Masten standen, ist mir klargeworden, wie diese Sonderkonstruktion, abweichend vom orginalen Riggplan funktionieren soll. Daraufhin habe ich mir einen gut englischsprechenden Helfer zur Sicherheit organisiert, und mich in den Großmast hochkurbeln lassen, um diese Verbindung nochmal nachzusehen. Es zeigte sich, daß es ziemlich hahnebüchen, dilettantisch, unprofessionell war, aber ändern kann man das nur, wenn die Masten liegen. Das muß unbedingt nachgearbeitet werden! Einstweilen muß ich das so akzeptieren, wie es ist, rein statisch ist es wohl ausreichend!
Ich habe mit meinem Helfer, einem jungen gut gebildeten Menschen noch lange über die hiesigen politischen Verhältnisse diskutiert, er hat meine Erkenntnisse weitgehend bestätigt. Er ist der Ansicht, daß die alten Seilschaften aus der Zeit von vor '89 die wirtschaftliche Misere zu verantworten haben, und die Zeit auch aus biologischen Gründen die Wende bringen wird. Er ist wie ich der Meinung daß das Potential des Landes an die Korruption verschwendet wird. Die mittlere Führungsebene dieser Werft hier besteht offenbar aus Menschen seiner Art, das gibt Anlaß zu Hoffnung!

Nachdem alles erledigt ist, was nur in der Werft ging, habe ich mir noch den Roller an Bord heben lassen, und am mittlerweile montierten Mastkorb(*) festgelascht. Auch bin ich nochmal zur Tankstelle geradelt, um mit vollem Tank abfahren zu können.
Morgen, wenn die Läden wieder geöffnet haben, will ich noch meine Lebensmittelvorräte ergänzen, und dann kommt die nächste persönliche Bewährungsprobe dran. Planmäßig ist der erste Segelschlag von Sulina bis zum ersten griechischen Einklarierungshafen Myrina auf Limnos, wo ich wieder in die EU hineinschlüpfen kann, also auf einen Sitz durch das Schwarze Meer, den Bosporus, das Marmara Meer und die Dardanellen. Der Hauptgrund dafür ist, ich will mir diese absurden Ein- und Ausklarierungsprozeduren so weit wie möglich ersparen. Ich halte das für verwaltungstechnische Masturbation, nur Lustgewinn für die Onanie Betreibenden, ansonsten völlig sinnlos. Nichts wäre mir unangenehmer, als da mitzumachen. Kein Land ist so erstrebenswert als daß es mir wert wäre, mich so zu erniedrigen!

Weil das Wetter so passend war, schön warm, so gut wie kein Wind und ein sonntagsruhiger Hafen, habe ich schonmal das Großsegel angeschlagen. Dabei mußte ich feststellen, was schon anderen Einhandseglern aufgefallen ist, für einen Mann allein ist die Größe der Festina Lente das Maximum. Der Sack mit dem Großsegel darf wirklich nicht schwerer sein. Ihn aus der Achterkajüte herauszuwuchten, war schon grenzwertig. Bei schlechteren Bedingungen hätte ich da ernsthafte Zweifel. Ich habe das Segel natürlich gleich wieder heruntergeholt, und dabei erkannt, daß das Großsegelbergen durch das Hardtop nicht leichter geworden ist, ohne Lazy Jacks* für einen allein nicht zu bewältigen, schon garnicht bei schlechtem Wetter. Die ursprünglich vorhandenen Lazy Jacks hat beim Mastlegen einer, dem es nicht schnell genug ging, einfach mit dem Messer abgeschnitten. Nun muß ich aus den noch vorhandenen Resten was Brauchbares zusammenstopseln.

(*)Lazy Jacks sind Hilfsleinen, die das Großsegel beim Herunterlassen auffangen und bewirken, daß es sich wie von selbst in regelmäßigen Falten oben auf den Großbaum legt.
(*)Mastkorb ist ein Hilfsgeländer auf Deck beiderseits des Großmastes, an dem man sich bei der Arbeit am Mast abstützen kann und dadurch beide Hände frei hat.
weiter
9.5.19

Das Trimmen der Stagen und Wanten ist schwieriger als man denkt. Dazu kommt noch, daß ich mit 6 verschiedenen Typen von Wantenspannern arbeiten muß, jeweils mit unterschiedlichem Einstellbereich. Und dann scheinen die Wanten nicht exakt gleichlang zu sein. Und mein Vorrat an Zwischenstücken zum Verlängern der Wantenspanner ist begrenzt. Weil das alles wirklich nicht zusammenpaßt, bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß das Rigg ursprünglich unmöglich sauber getrimmt gewesen sein kann, vor allem weil die paarigen Wanten, trotzdem sie mit identischen Wantenspannern versehen sind, nicht zu einem senkrecht getrimmten Mast führen. Ich habe ja schon früher festgestellt, daß die Inneneinrichtung ziemlich windschief eingebaut ist, das scheint für das Rigg genauso zuzutreffen. Wenn ich die Masten genau gerade hingestellt haben will, führt das zu unsymmetrischen Verhältnissen an den Wantenspannern, vor allem zu unsymmetrischem Einsatz von Zwischenstücken. Ich habe daher schon gestern und heute den ganzen Tag damit zugebracht, Wantenspanner und Zwischenstücke hin und her zu tauschen, um wenigstens optisch ein akzeptables Bild zu erreichen. Wenn die beiden Masten gleich schief sind, fällt das weniger auf, als wenn sie unterschiedlich schief sind. Wenn ich an einem Ort bin, wo ich Zwischenstücke und Wantenspanner nachkaufen kann, muß ich das nochmal überarbeiten. Überhaupt ist hier in Rumänien die absolute Wüste, was technische Teile betrifft. Während man in DE gewohnt ist, wirklich jedes erdenkliche Spezialteil kaufen zu können, von gewöhnlichen Schrauben ganz zu schweigen, gibt es hier buchstäblich nichts. Was man nicht dabei hat, ist auch nicht zu beschaffen. Auch diesen Verhältnissen kann man was Positives abgewinnen, den Rumänien ist in technischer Hinsicht bei weitem noch nicht das unbedarfteste Land, und gerade diese Länder, wo es wirklich garnichts gibt, will ich besuchen. So ist das auch als Bewährungsprobe für die technische Ausrüstung der Festina Lente zu sehen. Nur dadurch erfährt man, was alles noch fehlt!

Und dann wollte noch einer kommen, um mir ein Angebot für eine Segelpersenning zu machen. Extra für den habe ich den Besan angeschlagen, damit er Maß nehmen kann. Dann ist das daran gescheitert, daß er nur verzinkte Ösen hatte statt solcher aus Niro oder Messing.


weiter
8.5.19

Pünktlich für den Großen Tag wurde das Wetter schlecht. Nach einer kalten Nacht ein kalter, trüber Tag mit Nieselregen und böigem Wind, mittags gerade mal 10°C. Die Mannschaft war schon versammelt, das Schiff wurde genau unter den Kran manöveriert und schon schwebte der Großmast ein. Es dauerte allerdings etwas, bis alle Stagen(*) am richtige Pütting(*) mit ihrem Spanner verbunden waren. Unter großem Hallo habe ich sofort, als es möglich war, die rumänische Gastflagge unter die Steuerbordsaling(*) gesetzt, und anschließend die Europaflagge unter die Backbordsaling. Kaum konnte der Mast alleine stehen, kam das gleiche Manöver mit dem Besan(*). Daß ich an den Flaggstock gleich den Adenauer gesetzt habe, nahm man schon für selbstverständlich. Und sofort setzte ein Geräusch ein, wie Musik in meinen Ohren, das rhythmische Schlagen der Fallen(*) an den Mast. Ich verbinde das mit meinen ersten Segelerlebnissen in der Ostsee. Manche Menschen halten das eher für Ruhestörung, ich aber kann bei diesem Geräusch sogar besonders gut schlafen.

Nachdem die Kranmannschaft abgezogen ist, bin ich wieder dran. Ich werde eine ganze Zeit zu tun haben, bis die Masten schön aufrecht und parallel stehen. Ich hoffe, das Wetter wird bald wieder besser, denn die Arbeit mit klammen Fingern ist nicht meine Sache!


(*)Stagen sind die Drahtseile, mit denen der Mast in der Längsrichtung stabilisiert wird.
(*)Püttinge sind die Ösen am Schiff, an denen die Spanner für die Stagen eingehängt werden.
(*)Fallen sind die Seile, mit denen die Segel am Mast hochgezogen werden.
(*) Besan ist der kleinere, hinten stehend Mast.
(*)Salinge sind die Querstreben, mit denen die Wanten (Abspannung nach der Seite) seitlich abgespreizt sind.
Auf einem Schiff sind die Seitenbezeichnungen grundsätzlich auf das Schiff bezogen. Die rechte Seite des Schiffes heißt Steuerbord (weil da früher das Steuerruder angebracht war, siehe Wikingerschiffe), die linke Seite heißt Backbord (weil da üblicherweise die Küche (und die Toilette) zu finden ist). Vorsicht, die Festina Lente ist in dieser Hinsicht seitenverkehrt!
weiter
5.5.19 80sm

Weil es unmöglich war, alle Wantenspanner und Stagen genauso wieder zusammenzuführen, wie es mal war, mußte ich in meiner improvisierten Riggerwerkstatt einiges nacharbeiten, bis jedes Stag seinen Spanner hatte.

Dabei mußte ich feststellen, daß ich versäumt hatte, mich um die kleinen Wantenspanner für den Besan zu kümmern. Weil es beim Mastlegen große Probleme mit den Wantenspannern für den Großmast gegeben hatte, habe ich die alle schön gängig gemacht und gefettet. Das hätte ich mit den Wantenspannern für den Besan auch tun sollen. So waren 3 davon absolut unlösbar fest. Einen hatte ich bei den fruchtlosen Versuchen nur mit Bordmitteln sogar zum Platzen gebracht. Gottseidank hatte ich mir durch meine Taktik, alle einschlägigen Dinge zu sammeln woher immer ich sie kriegen konnte, einen gut bestückten Fundus geschaffen, und konnte die Situation sogar in befriedigender Weise retten. Nur der Spanner für das Babystag war eine Notlösung. Da gehört eigentlich ein 16mm/ 5/8" Spanner dran, ich hatte nur noch einen mit 12mm/1/2". Zu meiner Beruhigung war vorher auch nur ein 1/2" Spanner dran, hat auch 30 Jahre getaugt.

weiter
4.5.19 80sm

Jetzt weiß ich, was mich bei der Anzahl der großen Wantenspanner immer verwirrt hat: Das Rigg(*) hat abweichend von der Orginalausstattung am Großmast auf beiden Seiten nur eine Unterwant, obgleich an den Beschlägen am Mast zwei vorgesehen sind. Entsprechend bleiben die vorderen Püttinge leer, und es gibt zwei Wantenspanner weniger als Püttinge. Dafür gibt es ein Babystag(*). Wenn ich das rechtzeitig gewußt hätte, hätte ich mir in eBay dafür das passende Stagsegel gekauft. Durch diese Verwirrung habe ich mir von den großen Wantenspannern (3/4"/20mm) soviele extra aus eBay ersteigert, daß ich nochmal so ein Schiff damit ausrüsten könnte!

(*) Babystag: Der Mast muß in alle Richtungen etwa gleichstark abgespannt werden, nicht nur oben, sondern auch in der Mitte. Damit das nicht beim Segels stört, wird die Abspannung in der Mitte nach vorne und Hinten mit doppelten Unterwanten gemacht, von denen eine nach vorne, die andere nach hinten verspannt ist. Weil man offenbar der Meinung war, die vorderen Unterwanten stören auch, hat man diese durch eine kleines extra Vorstag (das Babystag) ersetzt.
(*)Das Rigg ist die Gesamtheit der feststehenden Dinge über Deck (das stehende Gut), also Masten, Stagen und Wanten. Nicht zum Rigg gehört das "laufende Gut", also bewegliche Dinge wie Segel und Fallen
weiter
3.5.19 80sm

Wie erwartet, wird es spannend! Ich habe die Jahre vorher die Einzelteile des Riggs immer wieder durchgesehen, fehlende Teile ergänzt, Defektes repariert, aber der reale Zusammenbau ist halt doch was Anderes! Gleich zu Anfang mußte ich feststellen, daß eine Sicherungsschraube für die Salinge fehlt. In De ist das nebensächlich, kostet allenfalls eine Fahrt zum nächsten Baumarkt. In Galati wird das zu einem Riesenproblem, Der nächste Baumarkt ist in Braila, für das Fahrrad viel zu weit! Schon geht das Improvisieren los! Dabei war das Rigg im Urzustand keineswegs ohne improvisierte Anbauten. Diesen Geheimnissen auf die Spur zu kommen, ist auch nicht ganz einfach.

weiter
3.5.19 80sm

Mitleidlos um 6:00 morgens kam einer, und wies mich an, die Festina Lente an ein Schwimmdock an der anderen Seite des Hafens zu verlegen. Dort, unter dem Kran des Schwimmdocks, wartete schon eine ganze Mannschaft, und dann ging es blitzschnell. Weil mein Loswerfen der Verzurrung offenbar zu langsam war, kam einer an Bord und nahm das in die Hand. Nichtmal 1/2 Stunde später waren der Roller und die Masten abgeladen.

Nun bin ich wieder dran, und hoffe, alles bis Montag so vorbereitet zu haben, daß die Masten ebenso reibungslos und schnell gestellt werden können.

weiter
2.5.19 80sm

Eigentlich hatte ich nur technische Probleme erwartet, dafür habe ich ein gesundes Selbstvertrauen und reichliche Ressourcen, es wurde aber ein Hürdenlauf quer durch die rumänische Seele. Da habe ich weitere, erstaunliche Facetten kennengelernt.

Der Anfang gab zunächst Anlaß zu Hoffnung. Die im Handbuch angegebene Telefonnummer führte auch zur richtigen Adresse, am anderen Ende eine freundliche Dame, die der englischen Sprache ganz gut mächtig war. Ich schilderte mein Problem, aber sie wollte nicht verstehen, und bat mich in 5min nochmal anzurufen. Das gab ihr offenbar Gelegenheit, meine Nummer als unerwünscht in ihr Telefonsystem einzuprogrammieren, denn meine weiteren Kontaktversuche gingen sämtlich ins Leere. Ich hätte niemals erwartet, bei der größten Werft dieses Landes solchen pubertären Mätzchen zu begegnen!
Da habe ich mich an den freundlichen Beamten der Grenzpolizei erinnert, der mich vor 2 Tagen kontrolliert hatte, und mir in offenbar weiser Voraussicht seine Telefonnummer dagelassen hatte. Die habe ich nun aktiviert, und er schickte mich zurück zum Polizeianleger. Dort traf ich auf schon vorgewarnte Polizisten, eine Dame sprach sehr gutes Englisch, sehr förderlich für die Kommunikation. Sie taten ihr Möglichstes, telefonierten hin und her, und schließlich engten sich erörterten Möglichkeiten auf die zweitgrößte Werft der Stadt ein. So ganz nebenbei ergab ein Telefongespräch, das bei der größten Werft hierfür ein Preis üblich sei, für den ich andern Orts ein komplett neues Rigg hingestellt bekommen hätte, so als wäre mein Schiff die Gorch Fock.

Damit ich den telefonisch geknüpften Kontakt auch richtig erreiche, ist extra ein Polizist mitgefahren. Ich traf dann auch ohne weitere Reibungspunkte den Werftmanager, einen jungen, sehr kompetenten Ingenieur, der das Problem sofort erfaßte. Er holte sich Rückendeckung bei seinem Werftchef, wo man mir eröfnete, es werde der Kran "without charge" gestellt. Man sieht die Kontraste reichen in ungeahnte Höhen und Tiefen!

weiter
1.5.19 80sm

Bis zum Morgen war es wieder richtiger Sturm. Ich hatte ziemlich guten Windschutz durch die Bäume, es rauschte gewaltig, und die Bäume bogen sich, aber das Heulen des Windes im Gitterwerk der Hafenkräne war trotz der Entfernung von über einem Kilometer deutlich zu hören. So nach und nach baute sich dennoch ein deftiger Seegang auf, der aber um die große Stromkurve herum und hier fast rechtwinklig zu Strom und Wind ankam. Immer, wenn eine Bö den Windschutz übersprang, drehte sich das Schiff, und dann ging kurze Zeit ein wilder Tanz los. Man glaubt garnicht, was da alles im Wind rappeln und klappern kann, vor allem fingen die Spanngurte, mit denen die Masten verzurrt sind, wild und laut zu brummen an.
Nein, gemütlich war das nicht, aber bei genauem Hinsehen ein eigentlich willkommener Probelauf für die Verhältnisse, die auf dem Meer zu erwarten sind. Ich denke, daß die persönliche Seefestigkeit viel mit Selbstvertrauen zu tun hat, und da schadet sowas bestimmt nicht, vor allem wenn man das gut übersteht. Außerdem gab mir das Gelegenheit, mein Ankerequipment kritisch zu bewerten. Daß die auf dem Boot vorhandene Kettenkralle nur bedingt brauchbar ist, hatte ich schon früher festgestellt: Man kann sie nur an eine entspannte Kette anlegen. Ist die Kette unter Zug, wie es beim Ankern immer der Fall ist, bringt man das Ding nicht dran! Dann wollte ich einen Schäkel einsetzen, um den Zug von der Winsch zu nehmen. Dabei habe ich leider feststellen müssen, daß der der Belastung angemessene 10mm Schäkel nicht durch die Kette paßt, ein 8mm Schäkel jedoch sichtlich zu schwach ist. Auch über die schönen Ankerreitgewichte, die ich an Bord vorgefunden habe, habe ich nachgedacht, und bin nicht draufgekommen, wie ich die einsetzen soll, ohne mich in Gefahr zu begeben, über Bord zu fallen. kein Wunder, daß die noch ziemlich jungfräulich aussehen. Alles Erkenntnisse, die mir ohne dieses Wetter nicht gekommen wären! Probleme, die noch bearbeitet werden müssen! Dann habe ich mich, animiert durch den starken Wind, mit meinem Wingenerator befaßt, den ich bisher noch nie real in Rotation versetzt hatte. Was ich vorher "trocken" vorbereitet hatte, hat auch richtig gepaßt, und die schon erwarteten Probleme sind auch richtig erschienen: Das Ding braucht mindestens (grob geschätzte) 5 Windstärken, um überhaupt anzulaufen. Dann aber geht es ab wie Schmitts Katze. Die Drehzahl rauscht hoch, bis das Ding heult und kreischt, dazu steigert sich die Windlast zu unerwarteter Stärke, gleichzeitig rappelt und vibriert das Ding so, daß es meine angedachte Befestigungsmethode sicher überfordern würde. Da muß ich mir noch was einfallen lassen!

Gegen Abend ist der Wind schließlich eingeschlafen, und die Sonne brach durch. Morgen also Damen!

weiter
30.4.19 km167 - km152 / 80sm

Es hat die ganze Nacht lang immer wieder seltsame Geräusche von Außen an der Bordwand gegeben. Das hat mich sehr beunruhigt, aber ich konnte keine Ursache finden.

Morgens war die Sache klar: Da hatte ein richtig großer Baum längseits an der Festina Lente festgemacht. Vorne, wo er sich an der Ankerkette verhakt hatte, etwa 30cm dick und ein Stück länger als die Festina Lente. Ein Stups mit dem Bootshaken, und weg war er.
In der Nacht hat es geregnet, und der Morgen war trübe, die Temperatur ist jedoch kein Thema mehr.
Weil die Hafenkräne von Galati von meinem Ankerplatz schon am Horizont zu sehen waren, war die heutige Fahrt schon vormittags wieder zu Ende.
Weil das hier die beste, wenn nicht einzige Möglichkeit zum Maststellen bietet, bin ich zuerst mal zur Capitanerie gefahren, um dort richtige Infos zu bekommen. Ich hatte an deren Ponton noch nicht richtig festgemacht, als die Grenzpolizei schon ihrerseits an der Festina Lente angelegt hatte, um mich zu kontrollieren. Wie erwartet war alles OK und einer der Beamten konnte leidlich english, und tat sein Möglichstes, um mir weiterzuhelfen. Er lotste mich zu einem Ponton ein Stückchen weiter, wohl damit ich den Ponton der Capitanierie nicht weiter blockiere. Er telefonierte mit dem dortigen Skipper, der mich entsprechend freundlich empfing. Auch vermittelte er für mich auf seinem Telefon ein Gespräch mit einem deutschsprechenden Menschen, der versprach, mich dort aufzusuchen. Dieser Mensch kam jedoch erst am Spätnachmittag, um mir zu sagen, was ich ohnehin schon wußte: Die Damen-Werft wäre die richtige Stelle. Was ich noch nicht wußte, war, daß 1) heute hoher Feiertag ist, und alles geschlossen hat, und 2) morgen wg. 1.Mai ebenfalls alles geschlossen ist.
Da habe ich den Ponton wieder verlassen, schon um keine Gebührenforderung zu provozieren, und mich zur Damen-Werft aufgemacht. Wie prophezeit, war niemand da, nur ein Wächter wollte mich absolut nicht dahaben. Also habe ich wiedermal den Fluß überquert, um am gegenüberliegenden Ufer zu ankern. Dort lag schon ein doppeltbreiter Schubverband mit 6 Kähnen vor Anker, und mit einem Adenauer(*) am Heck des Schubschiffes! Zwischen dem und dem Ufer war noch reichlich Platz, und bei 3m habe ich den Anker abgelassen. Der Kapitän des Schubverbandes hat mich per Tröte begrüßt, aber auf Funkanruf (Kanal 16) nicht geantwortet. Kaum war der Anker draußen, zog sich der Himmel rasend schnell zu, und ein Gewitter brach los, daß ich die Damen-Werft nicht mehr sehen konnte. Der Wind war Gottseidank genau in Stromrichtung, trotzdem habe ich noch ein paar Meter extra Kette rausgelassen.
Der starke Regen hat die Wellen ziemlich geplättet, aber nach ein paar Stunden Pause hat der Wind noch in der Nacht stark zugelegt.

(*) Daß die neue Bundesrepublik in 1949 die Farben der Frankfurter Paulskirche von 1848 als Nationalflagge übernommen hat, geht auf einen Antrag Konrad Adenauers im parlamentarischen Rat zurück, wo man die Verfassung und überhaupt die Gründung der Bundesrepublik vorbereitet hat. weiter
29.4.19 km217 - km167

Heute war Braila dran- Am Stadtplan sieht man, daß die Stadt ähnlich wie Karlsruhe in Kreisen statt als Schachbrett angelegt ist. In Karlsruhe hatte ich immer Orientierungsschwierigkeiten, in Braila werde ich wahrscheinlich keine Gelegenheit haben, das auszuprobieren. Fest entschlossen, keine Gelegenheit zum Maststellen zu übersehen, habe ich erstmal die Marina Braila angefahren, dort gab es jedoch für die Größe der Festina Lente keine akzeptable Anlegemöglichkeit. Die nächste Anlaufstelle war der große Hafen mit einer Reparaturwerft für Seeschiffe. Zu meinem gößten Erstaunen lag da frisch lackiert und wie neu aussehend eine Schnellfähre aus Hammerfest, leicht an ihrer Aufschrift zu identifizieren.
Wenn die Norweger eine Fähre zum Wiederaufarbeiten vom Polarkreis bis nach Braila und nach der Restaurierung wieder zurückfahren lassen, kann der einzig mögliche Grund nur der Preis für die Renovierung sein. Da liege ich sicher mit meiner Schätzung der 100-fach überhöhten Touristenpreise so falsch nicht! Nätürlich kam dann gleich einer, der mir zwar Unverständliches, aber sicher nichts Freundliches an den Kopf warf, um mich wieder aus dem Hafen herauszubringen.

Nachdem ich ganze lange Wasserfront abgefahren hatte, kam ich zuguterletzt an an eine größere Ansammlung von verschiedenen Flußschiffen, die in mehreren Reihen längsseits aneinander angebunden waren, und vornedran ein Ponton mit einem Kran darauf, wie für mich gemacht. Ich habe natürlich sofort dran angelegt, aber leider kam einer, um mir mühsam zu verklickern, daß dies alles kaputte Schiffe seien, und auch der Kran nicht funktioniere.
Schweren Herzens habe ich Braila abgehakt und den Fluß gequert, um am anderen Ufer zu Ankern. Ich saß gerade in der Kajüte, als ich draußen jemanden rufen hörte. Noch bevor ich rausgeklettert war, machte es bumm bumm, da hatte mir doch ein Fischer ungefragt 4 große Fische ins Cockpit geworfen! Damit war das Menue für das Abendessen klar!

weiter
28.4.19 km252 - km217

Weil ich das Internet so dringend brauchte, habe ich die halbe Nacht am Computer verbracht und versucht alles zu bewältigen, auch die Fehler im Blog zu bereinigen und meine Navigation zu komplettieren. Auch morgens habe ich noch weitergemacht, so wurde es 11:00 bis ich mich endlich losreißen konnte. Inzwischen hatte der Wind schon ordentlich aufgedreht, diesmal aus West, deshalb hielt sich der Seegang in Grenzen

Da kam ich dann auch an die letzte Donaubrücke. Ab hier muß ich nach einem Platz zum Maststellen Ausschau halten.

Seit der letzten Schleuse sind alle Brücken ähnlich hoch wie diese: 15,2m. Für die Festina Lente reicht das leider nicht, sie braucht mindestens 22m. Mit einem kleineren Segelboot könnte man daher den Mast schon früher stellen, und diese Gegend mit dem schönen Wind durchsegeln!


weiter
27.4.19 km297 - km252

Über Nacht war der Wind nicht etwa abgeflaut, durch den Windschutz war er nur am Rauschen in den Bäumen zu hören, nicht zu spüren. Ein sonniger, jedoch kühler Morgen. Sommer ist das noch nicht!

Am rechten Ufer fährt man viele Kilometer an dieser seltsamen Struktur entlang: Sandklippen! Entsprechend mager ist der Boden. Trotz der Nähe zum Fluß herrscht offenbar größter Wassermangel. Man betreibt hier ausschließlich Weidewirtschaft vorwiegend mit Ziegen. Die Tiere fressen nicht nur die Vegetation so komplett ab. daß Aridisierung die Folge ist, sondern ihre Trittspuren reißen die Oberfläche so auf, daß der Erosion Tür und Tor geöffnet ist. Daß man auch noch versucht, auf diesem Boden Rinder zu halten, zeigt nur, wie arm und verzweifelt die Leute sind: Mehr als ein Versuch kann das nicht werden. Das gibt dem Boden den Rest. Was dann noch übrigbleibt ist Wüste.
Ich kann mir gut vorstellen, daß die Sahara durch den gleichen Mechanismus entstanden ist, wo man noch zur Römerzeit Getreide angebaut hat, und in vorgeschichtlicher Zeit ein reiches Tier- und Pflanzenleben vorhanden war, kenntlich an den Felszeichnungen. Eine menschengemachte Ökokatastrophe der größeren Art!


In Hirsova habe ich Anleger der Capitanerie festgemacht, und wie durch ein Wunder schon wieder ein offenes Wlan vorgefunden! Diesmal habe ich nicht gefragt, wer es betreibt, sondern es einfach genutzt!

weiter
26.4.19 km345 - km297

Heute bin ich etwas früher losgefahren, um die Stunden ohne Gegenwind besser zu nutzen. Ich fand wieder einen Schubverband zum Hinterherfahren, der war aber so langsam, daß ich bald die Geduld verloren habe und ihn überholte. Weil ich den Schiffsnamen ablesen konnte, habe ich ihn über Funk angerufen, er hat prompt geantwortet. Aber abgesehen von der Zusicherung, daß er english verstehe, kam nichts Verständliches rüber. Vor ihm her fuhr ein ganz absonderliches Gespann, das habe ich auch noch überholt:

Ein Schubkahn, viele Meter hoch mit Holz beladen, und als Antrieb sowas wie eine Barkasse, längseits daran festgemacht. Das Steuerhaus der Barkasse war noch niedriger als die Bordwand des Kahns, der Rudergänger hatte ganz sicher keinen Überblick nach vorne und Backbord. Ich hätte erwartet, daß er vorne auf dem Kahn einen Mann stehen hat, der ihm sagt was er gerade über den Haufen fährt, aber da war niemand: Der fährt blind!

In der Hoffnung auf einen Internetzugang bin ich die ganze Wasserfront von Cernavoda abgefahren, aber da war nichts, an dem ich hätte anlegen können. Weil der Fluß jedoch inzwischen nach Norden abgebogen war, fand ich ganz einfach Windschutz bei den Bäumen am Ufer und habe da geankert. Den Wind sah man nur noch an den Bewegungen der Bäume, und man hört das Rauschen, aber hier Windstille. Es wurde sofort warm, ein wunderschöner Sommernachmittag. Das macht die ganze Kälte vergessen!

weiter
25.4.19 km388 - km345

Der Ostwind wird zu einer stabilen Größe, die sich seit Tagen wiederholt: Vormittags fängt es langsam an, steigert sich bis zum Nachmittag und schläft Abends wieder ein. Manchmal werden es nur 4 Windstärken, aber es kommen auch 8 vor. Vielleicht ist das der Wind, den ich als Meltemi aus Griechenland kenne, zumindest fühlt er sich ganz genauso an, ein Wind, der den ganzen Sommer lang aus dem russischen Hoch herausblasen wird. Für meine Fahrtrichtung leider immer gegenan.

Auf der ganzen Fahrt habe ich bisher noch kein einziges Segel gesehen, dabei bläst es hier wie am Gardasee, keinen Windsurfer, keine Jolle, keine Yacht. Ein Bodenseeegler würde sich hier alle 10 Finger abschlecken, bei diesen riesigen Wasserflächen und dem tollen Wind!

Irgendwie habe ich es gerochen: Bei km374, wo Bulgarien zu Ende ist, habe ich einfach so an einem Hotelanleger auf der rumänischen Seite festgemacht. War wieder niemand da, um mich abzuweisen. Ich bin schön brav zur Hotellobby hochgegangen, zwei freundliche Damen konnten beide english und versicherten mir, der Anleger kostet nichts, und das Wlan ist offen. Das entsprach den Tatsachen, das Wlan reichte tatsächlich bis zum Schiff. Sollte niemand behaupten, das gäbe es nicht! Für mich festigt es den Glauben an das Gute in der rumänischen Seele! Ich habe draufhin versucht, meine Internetarbeit in konzentrierter Form abzuwickeln. Leider war unmittelbar daneben der Fähranleger, den, so meine ich, 5 Fähren reihum bedienten, alle 10 Minuten eine, mit entsprechenden Wellen. Und so gut war das Internet doch nicht, langsam und nicht Fehlerfrei. Mein Blog kam leider nicht unbeschädigt beim Provider an. Ziemlich genervt bin ich wieder abgefahren. Der Wind hat programmgemäß wieder ordentlich zugelegt, sodaß die Spritzerei wieder losging, und sich die Festina Lente in den Wellen zeitweise feststampfte. Da muß ich wohl meine Fahrzeit vorverlegen, früher abfahren und früher wieder aufhören.

Jetzt bin ich zur Abwechslung zum Ankern hinter die rote Tonne ans rechte Ufer, denn da ist jetzt auch Rumänien.

weiter
24.4.19 km432 - km388

Der Wind hatte schon am Spätnachmittag etwas abgenommen, Morgens war Ruhe und das Wasser wieder glatt, sogar ein bischen Sonne, wenn auch nicht allzuwarm.

Die Betonnung war heute wieder seltsam bis rätselhaft. Weil sich das Fahrwasser meist zwischen Inseln hindurchwindet, will man schon genau wissen. wo es langgeht. Das Handbuch kann ja durchaus veraltet sein, aber die Karte im Computer ist ziemlich neu und sollte stimmen - tut sie aber nicht in jedem Fall. Etwa 50% der in der Karte sichtbaren Tonnen fehlen einfach. Einige andere sind zwar an einer offensichtlich sinnvollen Stelle, aber nicht in der Karte aufgeführt.

Und dann gibt es noch die vertriebenen Tonnen, nicht gerade selten! Das macht die Navigation manchmal spannend. Es gibt aber auch noch andere Hinweise. Wenn man inmitten einer großen Wasserfläche einen gestrandeten Baum liegen sieht, oder auch Sträucher wachsen, weiß man, da ist das Fahrwasser nicht! Einen weiteren Hinweis gibt das Echolot. in dieser Gegend ist das Fahrwasser durchwegs über 10, manchmal über 15m tief. Wenn man nur 5m auf dem Lot hat, kann man da zwar noch fahren, aber das Fahrwasser ist woanders. Ganz generell folgt das Fahrwasser dem Hauptstrom, und der läuft immer in der Außenkurve.

Eigentlich wollte ich heute bis zum Ende der bulgarischen Donau in Silistra fahren, aber eine einladendende Flußmündung hat mich bewogen, für heute Schluß zu machen. Es war dann doch nicht so toll, eine Installation der Wasserbauer, auf die ich mir keinen rechten Reim machen konnte, und sehr tief ausgebaggert. Aber kein Mensch da, niemand wollte was von mir!

weiter
23.4.19 km491 - km432

Der Wind hat sich nicht etwa zur Nacht beruhigt, sondern eher noch verstärkt. Ich bin in der Nacht mehrere Male aufgestanden, um die Festmacher(*) nachzusehen, und habe den Vordersten nochmal extra vedoppelt. Eine sehr unruhige Nacht! Morgens bin ich dann nochmal mit Fahrrad und Kanistern losgezogen, zusätzlich hatte ich noch meinen Rucksack mit Laptop dabei, für den Fall, daß mir ein Internetzugang begegnet. Es blieb aber beim Diesel.

Vor dem Gebäude der Capitanerie haben sie ein Denkmal für Michael Jackson als Seemann aufgestellt. Leider kann ich die Beschriftung nicht entziffern.

Rumänien ist im Prinzip ein sehr armes Land, das ärmste der Donauanrainer. Man sortiert normalerweise die Länder in die Armutskategorie z.B. nach dem Bruttosozialprodukt. Dabei bleibt jedoch die Aufspaltung de Bevölkerung in arm und reich unberücksichtigt. Weil diese Kluft in Rumänien offenbar besonders groß ist, geraten die ärmeren Teile der Bevölkerung auf ein Niveau, das für uns unvorstellbar ist. Ich habe ja schonmal Haiti besucht, damals (und vermutlich heute noch) das ärmste Land der Welt, aber solche Zustände habe ich dort nicht gesehen. Da muß die EU was tun! Das Stichwort ist Bildung. Vielleicht sollte man sich mal das Rezept der Jesuiten genauer ansehen, die auf diesem Feld schon länger und äußerst erfolgreich tätig sind: Sie rekrutieren und schulen ihr Lehrpersonal in den etablierten Ländern, also USA, Kanada, Deutschland, Frankreich usw. ohne an irgendwas zu sparen, und schicken die Besten der Besten in die ärmsten Länder, wo sie entsprechend gute Schulen betreiben (ohne das an die große Glocke zu hängen). Dadurch erreichen sie ihre Ziele, Einfluß auf die Eliten dieser Länder, vielfach unterschätzt!

Der Wind hat gegen Mittag weiter zugenommen, vielleicht auf 8 Windstärken, und weil die Donau über weite Strecken genau in seiner Richtung verläuft, baut sich ein Seegang auf, der deutlich über 1m beträgt. Die Festina Lente bahnt sich stampfend und spritzend eine Weg hindurch, bei jeder Welle kommt ein Dusch über das ganze Schiff, und weil der starke Gegenwind das Vorankommen sehr behindert, fange ich schon Mittags an, nach einem Ankerplatz zu suchen. Beim ersten Versuch habe ich gleich gesehen, es braucht einen Schutz vor den Wellen, sonst wird das nichts. Das Schiff tanzt so sehr, daß sich alles mögliche dabei zerlegen würde. Also bin ich immer weiter gefahren.

Schließlich habe ich doch noch ein sehr schönes Plätzchen gefunden: die Mündung de Flüßchens Arges in die Donau, gegenüber der bulgarischen Stadt Tutrakan, vor Wind und Wellen geschützt.

(*)Festmacher sind die Leinen, mit denen das Schiff an einem Fixpunkt angebunden wird. Auf der Festina Lente sind das 1"lige (2,5cm) Leinen.
weiter
22.4.19 km562 - km491

Der Tag ging kalt los, kalt weiter, und am Nachmittag kam noch kalter Gegenwind dazu. Dabei habe ich heute den südlichsten Teil der Donau durchfahren, und damit auch den südlichsten Teil Rumäniens passiert. Ich habe wieder einen Vorrausfahrer gefunden, einen doppelt breiten Schubverband mit 6 Kähnen, ich habe den ganzen Vormittag gebraucht, ihn einzuholen. Dann kam eine Premiere: Er hat einen anderen Schubverband, der noch langsamer fuhr, überholt, und ich hinterdrein bin auch an daran vorbei. Dieses "Elefantenrennen" hat sich über 2 Stunden hingezogen, denn die Geschwindigkeitsdifferenz ist minimal!

In Giurgiu habe ich meinen Vorrausfahrer alleine weiterfahren lassen, (sein Heimathafen, am Heck abzulesen war übrigens Galati, dort will ich den Mast stellen lassen), und habe wieder die möglichen Anlegestellen abgeklappert. Diesmal schien der Anleger der Capitanerie nicht nur geeignet, sondern auch frei zu sein. Allerdings liegen alle Anleger in einem deftigen Strom, dazu kommt noch richtiger Seegang mit 1m-Wellen, da ging mein Puls schon mit 180, bis ich dran fest war. Es hat sich dann gezeigt, daß mich niemand abgewiesen hat, weil niemand da war, und ob dieser Anleger wirklich in Betrieb war, darf an Hand seines Zustandes bezweifelt werden: Baustelle. Später habe ich dann gesehen, warum der Anleger frei war: Sie haben hier einen Hafen, in dem man bedeutend ruhiger liegt. Am Abend habe ich dann noch das Fahrrad aktiviert und eine Charge Diesel von 60l von einer Tankstelle geholt, mindestens 5km Distanz.

weiter
21.4.19 km617 - km562

Der Tag begann wolkenlos sonnig, eher kalt als kühl. Weil die Festina Lente ganz genau gegen den Sonnenaufgang lag, kamen schon die allerersten Sonnenstrahlen von den großen Fenstern in der Achterkajüte bis in den Salon und trieben mich aus der Koje.

In der Gegend um km600 sieht man am bulgarischen Ufer viele km lang diese Kalkfelsen. Sie erinnern mich an die Dordogne oder die Ardeche. Es könnte sein, daß sich hinter diesen mit Löchern durchsetzten Wänden ein bulgarisches Lascaux oder Alta Mira verbirgt. Insbesondere wenn man die Romanserie vom Jean M. Auel gelesen hat, die die Geografie der Handlung die gesamte Donau entlang gesponnen hat, hält man das für möglich!

Die Strecke von km592 bis km584 war bis jetzt am schwierigsten zu navigieren. Das ist ein Bereich mit vielen Inseln und noch mehr Durchfahrten, und die Betonnung war nicht nur sehr lückenhaft, weniger als die Hälfte der in der Karte angegebenen Tonnen war tatsächlich real plaziert, das Fahrwasser ganz woanders als im Handbuch angegeben, da kann man nur seinem Gespür und dem Echolot vertrauen, denn die breiteren Durchfahrten sind meist nicht die Richtigen! Da kann ein Entgegenkommer sehr hilfreich sein, wo der rauskommt, muß man reinfahren!

Viele der navigatorischen Schwierigkeiten kann man bei Mark Twain nachlesen, der ja selbst Lotse auf dem Missisippi war. Sein (Künstler)Name bezeichnet das Hauptproblem, das ich auch habe: Mark Twain bedeutet zweite Markierung auf dem Handlot, vermutlich 2 Faden, also 4 Meter. Das ist heute noch die kritische Tiefe, bei der es haarig wird, ein Alarmruf!

Bei km562 aus dem Fahrwasser raus, hinter die grüne Tonne ans rumänische Ufer, und bei ca. 3m Tiefe den Anker raus, Schluß für heute!

weiter
20.4.19 km682 - km617

Das Barometer steigt in bisher ungeahnte Höhen, der Morgen ist sehr kühl aber sonnig. Von dem gestrigen Gewitter ist nichts mehr zu merken. Leichter Wind aus Ost, aber der Fluß hat sich über Nacht nicht beruhigt, es schaukelt immer noch. Die Sonne wärmt nicht: Dicke Jacke, Schal, Handschuhe.

Im Gegensatz selbst zu Spaziergängern hat man auf dem Schiff keine Gelegenheit, sich Bewegung zu verschaffen. Das Drehen am Steuerad ist wirklich nicht anstrengend, man kann allenfalls mal links, mal rechts auf die Cockpitbank steigen, um über das Hardtop hinwegzuschauen, das war es auch schon. Dadurch geht der kalte Wind durch Mark und Bein.

Zunächst wollte ich in Corabia haltmachen, in erster Linie um wieder mal einen ordentlichen Internetzugang zu bekommen, aber man hat im Gegensatz zu den Angaben im Handbuch das Fahrwasser verlegt, und die Betonnung zeigt keinen Zugang zu diesem Städtchen, und ich wollte nicht der Erste sein, der den unbetonnten Zugang auf Tiefgang testet.

Da bin ich weitergefahren bis zur nächsten Ankermöglichkeit. Als die Festina Lente am Haken hing und der Fahrtwind weg war, wurde es schlagartig so warm, sodaß es innen im Schiff angenehmer war als draußen.

weiter
19.4.19 km735 - km682

Morgens wartete auf mich nicht nur Sonnenschein, sondern auch ein Baum, der sich in der Nacht in der Ankerkette verfangen hatte. Er war nicht allzu groß, und die Strömung hielt sich auch in Grenzen, bei ungünstigeren Umständen hätte der Baum den Anker ausreißen und ihn mitsamt dem Schiff auf seine Reise mitnehmen können.

Das Abwerfen dieses Baums war einfacher als gedacht: Ich habe den Anker bis kurz unter Wasser hochgeholt, und dann, so als wäre er schon oben, ein Stück Richtung Fahrwasser gefahren, dann ein wenig rückwärts, und weg war er. Dann selbstverständlich den Anker ganz hoch in seine Halterung. Diesen "Ästchen" sieht man nicht an, daß da ein ganzer Baum drunter hängt!

Im Weiteren hielt der Tag, was der Morgen versprochen hatte, jedenfalls bis zum Spätnachmittag, es wurde richtig warm, der schönste Fahrtag bisher. Dann zog es sich zu, und bei km682 schien mir die passende Stelle zum Ankern zu sein. Kaum war der Anker draußen, wurde der Himmel drohend und die Böen liefen über das Wasser auf die Festina Lente zu, aus Osten, wieder Wind gegen Strom. Diesmal noch heftiger, aber der Anker hielt. Zur Sicherheit blieb ich zur Ankerwache im Cockpit, solange es so sehr blies.

weiter
18.4.19 km793 - km735

Es fiel mir schwer diesen gastlichen Ort mit den freundlichen Leuten zu verlassen. Ich wollte noch eins draufsetzen und fragte nach einer Kartusche Abschmierfett, aber sie hatten nur große Fässer. Um 10:30 war ich wieder auf dem Strom.

Da fährt sie, die Kohle aus der Ukraine, 6 große Schubkähne voll. Solche Transporte habe ich schon in Linz gesehen, wo diese Kohle bei Voest-Alpine zur Stahlherstellung verbraten wird.
Warum schafft es diese Kohle nicht bis ins Ruhrgebiet?? Die durchgängige Wasserstraße hätten wir ja! Stattdessen holt man die Kohle von den Antipoden aus Australien, nachdem man die letzte Kohlenzeche dichtgemacht hat!? Diese Umweltsünde ist nicht mehr steigerungsfähig!

An diesem Altwasser bei km735 machte ich Schluß für heute. Aus dem Altwasser kam der Strom bestimmt mit 3kts heraus. Später am Abend erhob sich ein starker Wind genau aus Ost, der in Böen so stark war, daß er die Festina Lente trotz des starken Stromes über den Anker hinausschob, eine sehr unangenehme Wind-gegen-Strom- Situation. Gottseidank schlief dieser Wind bald nach Sonnenuntergang wieder ein.

weiter
17.4.19 km836 - km793

Die Nacht war sehr kalt, gerade kein Frost: 3°C, da hatte ich die üblichen Probleme, aus der Koje zu kommen, trotz Sonnenschein. Der Wind war mit der Sonne schlafen gegangen, der Seegang hörte auch bald auf, so war es wenigstens eine ruhige Nacht.

Gerade als ich dabei war, den Anker zu lichten, zog auf dem Strom ein riesiger, doppelt breiter Schubverband in meiner Richtung vorbei. Gewöhnlich fahren die mir davon, der aber fuhr sehr langsam, da hatte ich ihn bald eingeholt. Um dieses Riesending nicht überholen zu müssen, habe ich erstmal das Gas etwas zurückgenommen, statt 1800 RPM nur 1600, und fuhr ihm eine zeitlang mit Abstand hinterher. Er fuhr nicht etwa einfach geradeaus, sondern pendelte im Fahrwasser ständig hin und her. Da fiel mir auf, daß meine Geschwindigkeit über Grund nicht etwa abgenommen, sondern unverändert bei über 7 kts lag. Da verstand der Kapitän des Schubverbandes offenbar, die jeweils günstigste Strömung für sich und damit auch für mich zu finden. Weiter stellte ich fest, der macht die ganze Navigationsarbeit für mich. Ich muß nicht nach Tonnen suchen, um das Fahrwasser zu finden, Entgegenkommer scheucht er an die Seite, das nimmt den ganzen Streß raus. Einfach immer nur hinterdrein. Das gibt einem den Freiraum, die Ufer genauer zu betrachten, die Umgebung besser wahrzunehmen, kurz, um über Gott und die Welt nachzudenken. Und Diesel spart man auch noch.

Weil langsam doch alles sichtlich zur Neige ging, Diesel genauso wie Nahrungsmittel, habe ich mich entschlossen, diese entspannte Fahrt in Calafat zu beenden, weil bis zur nächsten größeren Stadt das Defizit vielleicht notleidend geworden wäre. Im Handbuch wird der Anleger der Capitanerie als geeignet angeben, da war aber alles von kleinen Motorbooten belegt. Nur am Zollanleger lag ein großes Motorschiff, und ein darauf stehender Mensch nickte einladend auf meine Geste, und nahm auch meine Festmachleine entgegen. Als ihn dann fragte, ob er mir die nächste Tankstelle weisen könne, fragte er (in leidlich gutem english) zurück, ob ich den Diesel nicht bei ihm kaufen wolle? 1€/l ! Ich habe ihm darauf meine ganze restliche Barschaft gegeben, 50€, und dafür 60l Diesel bekommen, billigster Diesel dieser Reise bisher. Hätte ich mehr Bargeld gehabt, hätten die mir auch mehr verkauft! Die Lehre daraus: € ist die aktuelle wirklich überall in Europa geltende Standard-Währung, davon sollte man immer genug haben!

Und dann wollten die ganz plötzlich abfahren. Sie haben nicht etwa gewartet, bis ich meinen Motor gestartet hatte, sondern gleich meine Festmacher losgeworfen. So schnell habe ich bisher noch nicht abgelegt! Nach einer Ehrenrunde wollte ich meinerseits direkt an diesem Anleger festmachen, aber da kam einer um mich mit wüsten Drohungen zu vertreiben. Ich bin dann die ganze Wasserfront von Calafat abgefahren, der letzte war der Polizeianleger, aber auch die wollten mich nicht.

Da habe ich noch neben dem Polizeianleger einen Schrottkahn gesehen, der als Ladekai für Getreide genutzt wird, und gleich daran festgemacht. Dann bin ich unter der Ladebrücke durch zur Polizei. Dabei mußte ich einen knietiefen Sumpf aus Getreide, Mehl, Mais und allem, was in den letzten Jahrhunderten von der Ladebrücke herabgefallen war, überwinden. Dabei habe ich mich total mit Mehl eingestaubt. Von der Polizei wollte ich eigentlich nur wissen, wo der nächste Lebensmittelladen ist, da hat mich gleich einer mit dem Auto hin- und wieder zurückgefahren, und wollte garnichts dafür. Dort in der Stadt Calafat ist eine andere Welt. Da treffen Eselskarren auf Autos. Das Viertel, in dem die Polizei residert, ist das allerletzte Glasscherbenviertel. Und überall streundende Hunde.

Den Schrottkahn habe ich natürlich auch genau angesehen. Er war noch etwas urtümlicher als der in Bezdan, aber in einem deutlich besseren Zustand. Die Stahlplatten nicht verschweißt, sondern vernietet (wie bei der Titanic). Zumindest der Kran offenbar ein deutsches Produkt, von vor 1914.

Das war noch nicht alles. An meinem Laptop konnte ich feststellen, daß es hier ein Wlan gab. Ich machte mich zu Fuß auf die Suche nach der Quelle, und fand eine Baracke mit mehreren Männern, die sich mit einem Auto beschäftigten. Nicht nur daß einer recht gut english sprach, er rückte auch bereitwillig das Passwort heraus, und es funktionierte!

weiter
16.4.19 km883 - km836

Als ich den Anker hochholte, hing ein riesiger Bart aus Plastiktüten und alten Fischernetzen gemischt mit Schlamm und sonstigem Müll daran. Da blieb mir nichts anderes übrig als mit dem Messer die vielen Leinen und Schnüre abzuschneiden, bäuchlings auf dem Bug liegend, damit ich mit langem Arm das Malheur erreichen konnte. Weil inwischen ein starker Wind aufgefrischt hatte, der quer zur Strömung blies und die Festina Lente aufs Land drückte, mußte ich mehrere Male unterbrechen, um ins tiefe Wasser zurückzufahren.

Am frühen Nachmittag war dann die letzte Schleuse dieser Reise dran: Djerdap2. Das Verfahren war wie gehabt, zuerst habe ich schön brav die rumänische Schleuse angefahren, weil ich ja in Rumänien einklariert bin. Auf meine Meldung per Funk verwies man mich wieder auf die serbische Seite, mit dem Hinweis, daß man denen Bescheid gesagt hätte. Ich wieder rüber zur anderen Schleuse, nur daß es diesmal nicht ein paar 100m waren, sondern mindestens 5km. An der serbischen Schleuse angekommen keine Antwort auf meine Funkmeldung. Im Vertrauen auf den rumänischen Hinweis, fuhr ich Kringel im Vorhafen, etwa 5 Runden, und tatsächlich, das Schleusentor verschwand im Wasser und ich bekam grünes Licht. Der Rest war Routine.

Nach ein paar weiteren Kilometen war Serbien zu Ende, an seine Stelle trat Bulgarien.

Die Donauufer sind nunmehr nur flache Sandhügel, der Boden ist so mager, daß offenbar nur noch Weidewirtschaft geht. Am rumänischen Ufer liegen etliche Betonklötze in absonderlichen Positionen. Sie erinnern mich an die Westwallbunker, die ich an der Cote d'Argent wie von Riesenkindern hingeworfene Bauklötze auf dem Strand und im Wasser liegen sah. Die waren allerdings einige Nummern größer.

Als ich dann für meinen anvisierten Ankerplatz den obligatorischen U-Turn fuhr, um ihn von unten anzufahren, überfiel mich der inzwischen sehr verstärkte Wind, den ich vorher kaum bemerkt hatte, weil er von hinten kam. Als der Anker draußen war, wurde der Wind richtig stark, sodaß die Festina Lente am Anker zu tanzen begann, wie auf dem Meer. Blauer Himmel ohne jede Wolke, kühl, nicht kalt, und dazu vielleicht 6 Windstärken. Ich habe vorsichtshalber noch ein paar Meter Kette gegeben.

weiter
15.4.19 km940 - km883

Morgens, nach einer wiederum kalten Nacht klopfte es hart und fordernd an die Bordwand. Das ist sehr verwunderlich, wenn man ein gutes Stück entfernt vom nächsten Land geankert hat. Ich habe natürlich sofort nachgesehen, aber erst als ich ganz aus dem Cockpit herausgeklettert war, konnte ich zwei Fischer in ihrem kleinen Angelkahn sehen, die mich ersuchten, den Anker hochzuholen. Da hatte das Schiff wiedermal die Nacht mehrere Male um den Anker rotiert, nicht nur die Kette um den Anker gewickelt, sondern auch ein Fischernetz in das Gewurstel integriert. Auf Kommando hob und senkte ich den Anker bis die Fischer ihr Netz aus der Ankerkette befreit hatten. Den Anker haben sie mir natürlich nicht klariert, da habe ich ihn erstmal wieder abgesenkt, um mein Frühstück abzuschließen. Als ich ihn dann wieder zum Abfahren hochholte, hatte er sich selbst ausgewickelt. Voller Freude habe ich ihn zu schnell hochgeholt, und als er sich auf der Wippe in die richtige Ruheposition drehte, sprang er aus der Führung. Da war die Katastrophe wirklich komplett, nichts ging mehr, nicht vor, nicht zurück. Da habe ich die Kette mit einem Seilende (man soll kein Seil wegwerfen, und sei es auch noch so kurz) so abgefangen, daß der Zug heraus war, und ich die Kette mit sanfter Gewalt wieder in Ihre Führung drücken konnte. Gottseidank fand das ganze Manöver in einem Gebiet fast ohne Strömung statt, das Schiff war während dieser Arbeit eigentlich manöverierunfähig, aber dadurch nicht in Gefahr.

Bei km927 traf ich dann auf dieses Bild der Freude: Eine Tankstelle mit (sowas wie ein) Anleger! Doch ich wurde grausam enttäuscht, schon 100m vor dem Kai ging mein Tiefenalarm los, und lange bevor ich dort war, saß ich schon auf Grund, also sofort umdrehen und wieder raus! Ich hätte natürlich auch ankern können, das Beiboot aktivieren und so an die Tankstelle rankommen können, dafür hat man schließlich das Beiboot. Aber das wäre viel Arbeit gewesen, sehr langwierig, und ich hätte nasse Füße und Schlimmeres riskiert. Mein Tank hat noch reichlich 150l Diesel intus, da ist die Not noch nicht so groß, als daß ich so eine Verzweiflungstat unternommen hätte!

Bei km883 habe ich dann für die Nacht den Anker abgesenkt. Weil es hier keine Inseln und Altwässer gibt, bin ich einfach in einer Innenkurve aus dem Fahrwasser herausgefahren, soweit es der Tiefgang erlaubte. Kaum war der Anker draußen, wurde aus dem kalten, trüben Tag ein sonniger Tag, zumindest ein abensonniger Tag!

weiter
14.4.19 km970 . km940

Die Nacht war kalt, da fiel mir das Aufstehen wieder schwer, So wurde es Mittag, bis ich wieder unterwegs war. Ja, und die kleinen Schnellboote zogen wieder ihre Kreise, das Geschaukel hat mich schließlich fortgetrieben.

Auf dem Strom blies ein unangenehm kalter, böiger Wind, begleitet von dem zugehörigen Seegang. Da war dann auch das Ziel der kleinen Schnellboote: Ein Amerikanismus, lange nicht so perfekt und bombastisch wie das Vorbild!

Schließlich kam ich an der im Handbuch als spektakulär angekündigten Doppelschleuse Djerdap an. Der Funkanruf über die beiden im Handbuch angegebenen Kanäle brachte nur auf einem eine Antwort: man verwies mich auf die serbische Seite. Dort angekommen versuchte ich mich wieder per Funk bemerkbar zu machen, keine Reaktion. Schließlich machte ich an der Kaimauer im Vorhafen fest, und machte mich auf eine längere Warezeit gefaßt, denn es war überhaupt kein Verkehr mit großen Schiffen, das letzte kam mir vor Stunden entgegen, aus der Schleuse kam auch nichts raus. Doch nach über einer Stunde kam ein Mensch zu dem Kai zu mir herausgelaufen, der Schleusenkapitän schickt ihn, er hätte vergeblich versucht mich per Funk zu kontaktieren, ich solle doch in die Schleuse einfahren, auf deutsch. So eine Einladung hatte ich bisher noch nie, und ich bin schon durch wirklich viele Schleusen gefahren! Da haben die doch extra für mich allein die ganze Schleusenmaschinerie aktiviert!

In Serbien/Rumänien gibt es in der Schleuse offenbar ein Brandproblem, denn sie haben oben auf der Schleusenmauer beiderseits eine ganze Reihe Feuerlöschkanonen plaziert. Die sehen allerdings allesamt jungfräulich unbenutzt aus.

Als ich dann schließlich durch war, dämmerte es schon, da habe ich gleich nach der Schleuse im Strömungsschatten einer Insel den Anker rausgelassen.

.

weiter
13.4.19 km1041 - km970

Der neue Tag begann kälter und nässer als der vorhergehende, ich sah mich veranlaßt, die bereits weggelegte Thermounterwäsche wieder zu aktivieren.

Im Handbuch war das eiserne Tor als außergewöhnliche Landschaft aber einfach zu befahren angekündigt. So war es dann auch. Es dürfte der spektakulärste Teil der ganzen Reise sein. Man sieht sich an das Nordende des Gardasees oder an norwegische Fjorde erinnert. Die Felswände steigen senkrecht aus dem Wasser und verschwinden oben in den Wolken. Die Strömung ist gar nicht so stark, die Tiefe machts, z.T. über 50m

Ja, und seit heute Mittag sind die Kilometerzahlen nur noch 3-stellig: Ich habe die letzten 1000km Donau unterm Kiel!

Zum Übernachten kam mir eine große Ausbuchtug des eisernen Tores gerade recht, nur waren am Spätnachmittag noch etliche kleine Schnellboote zu einer Engstelle des Eisernen Tores mit Publikum unterwegs, deren Wellen haben die Festina Lente jedesmal ordentlich durchgeschüttelt. Nachts werden sie nicht fahren!

weiter
12.4.19 km1086 - km1041

Es hat die ganze Nacht heftig geregnet, der Morgen war kalt, trübe und naß. In dieser Gegend wird wohl die Donau weiter vertieft, obgleich sie schon bis zu 20m tief ist. Alle paar km steht ein Schwimmbagger wie eine Burg im Fahrwasser, seltsamerweise keiner in Betrieb. So als wollte er mir zeigen, daß ers trotzdem kann, fing einer mit der Arbeit an, gerade als ich vorbeifuhr. Mit einem infernalischen Lärm fingen die Eimer an zu wandern, und an der Seite rieselte der Sand in den daneben liegenden Kahn.

Ein paar km weiter begegnete mir dieses Ding. Knapp außerhalb des Fahrwassers, aber doch ohne jede Markierung. Erst als ich nahe dran war, erkannte ich, was das ist bzw. war.
Dazu muß man wissen, die Motorschiffe in Serbien sind etwas anders konstruiert als in Westeuropa. Da sind die Motoren, so wie sich das gehört, unter dem Achterdeck nach außen nicht sichtbar plaziert. In Serbien stehen sie hoch auf dem Achterdeck, manche ganz ohne Gehäuse, so daß man sie auch von Ferne bewundern kann. Das führt zwangsläufig zu einem höheren Schwerpunkt und macht diese Schiffe ziemlich kippelig, vor allem wenn sie nicht beladen sind. Die sind wohl zu schnell um die Kurve gefahren und umgefallen.

Ja, und dann unternahm ich noch ein Abenteuer der besonderen Art: Das Ausklarieren aus Serbien! Das Handbuch beschreibt die Prozedur in Veliko Gradiste nur ansatzweise, ich war schon auf Überraschungen gefaßt. Mit Freude erkannte ich eine ordentliche Kaimauer zum Festmachen, aber mit wilden Gesten wurde ich von dort wieder verscheucht und an einen Ponton verwiesen, der als "Duty-Free-Shop" bezeichnet war. Als ich eher problemfrei festgemacht hatte, ging ich in den Laden, und fand dort eine junge Dame, die mir auf English sagen konnte, das ich hier richtig war, und der Zoll auf der anderen Straßenseite ist. Ich nahm also meine Mappe mit den Papieren und fand dort ein eher kleines, leicht angegammeltes Gebäude aus den 30gern, mit wenigen, aber sehr dicht besetzten Büros und gnadenlos überheizt. Weil ich doch ziemlich ausgefroren war, empfand ich die Hitze durchaus als angenehm. Ein doch freundlicher Polizeibeamter nahm mich unter seine Fittiche, eklärte mir geduldig alles auf English, und lies mich ein Papier in doppelter Ausführung ausfüllen. Es war erkennbar, daß sie auf Sportboote und Touristen gar nicht vorbereitet waren, es war alles auf die Frachtschiffahrt gemünzt, und hat entsprechend schlecht gepaßt. Und dann habe ich mit Staunen bemerkt, daß sie ein ähnliches Anti-Korruptions Plakat an der Wand hängen hatten wie in Ungarn. Die ganze Prozedur dauerte etwa 1 Stunde, und sie wollten doch tatsächlich das Schiff inspizieren. Als ich zum Schiff zurückkam, stand dort einer, vermutlich derselbe, der mich von dem gemauerten Kai weghaben wollte, und verlangte für die 1 Stunde Aufenthalt 20€. Das dürfte der teuerste Liegeplatz des Planeten sein. Mit weitem Abstand. Ich machte den Zollbeamten auf dieses Faktum aufmerksam, der zuckte nur mit den Schultern, und meinte, das wäre privat. Dabei lagen auf der Rückseite des Pontons mehrere Polizeiboote vertäut. Wahrscheinlich wurde ihnen selbst klar, wie absurd ihre Forderung ist, als ich dann fertig zum Abfahren war, war keiner mehr zum Kassieren da, und aufdrängen wollte ich ihnen auch nichts.

Wie zu Erwarten, gab es auf der rumänischen Seite beim Einklarieren einen deutlichen Kontrast. Weil dem Handbuch kaum was Genaues zu entnehmen ist, bin ich langsam an der Wasserfront von Moldova Veche entlanggefahren, fand aber keine Flaggenmasten mit Nationalfarben, die gewöhnlich den Zoll markieren, Nur ein Polizeiboot, da hing ein Mann aus dem Fenster und verwies mich an den großen Ponton daneben, dummerweise in starker Strömung. Als ich daran festmachen wollte, konnte ich keinen Poller finden, denn auch dieser Ponton war für die Großśchiffahrt gedacht. Ich versuchte meinen Festmacher am Geländer festzubinden, aber das wurde nichts. Da kam eine freundlicher Mensch herbei, der sich mir später als Hafenkapitän vortellte, und unterstützte meine Landungsaktion so, daß es auch funktionierte. Dann kam ein Zollbeamter, forderte mich zum Mitkommen auf, und führte mich zu dem großen, modernen, ziemlich neuen Zollgebäude im Hintergrund. Daß die Modernität ihre Tücken hat, war schon erkennbar, als der Beamte die Automatiktüren mit der Hand aufdrückte. In dem menschenleeren Gebäude waren allenthalben Pfützen auf dem Boden, weil offenbar das Dach nicht dicht war. Umso freundlicher war der Beamte. Seufzend füllte er mehrere Papiere aus, ich mußte nur unterschreiben, und er entschuldigte sich wiederholt für die Bürokratie. Ja, und auch sein Büro war total überheizt. Von irgendwelchen Kosten oder Pontongebühren war nicht die Rede. Es hing auch kein Anti-Korruptionsplakat aus.

Serbien ist ja in der Anwartschaft zum Eintritt in die EU. Sie werden schon einige ihrer alten Gewohnheiten ablegen müssen, wenn das was werden soll. Ob man das nun Lohn für einen Agenten nennt, der Fotokopien macht oder Liegegebühr für einen privaten Ponton, es ist Korruption reinsten Wassers! Es scheint so. daß sie langsam selbst begreifen, daß es so nicht geht!

Für die Nacht geankert habe ich dann neben dem Fahrwasser vor dem Eingang zum "Eisernen Tor"


weiter
11.4.19 km1152 - km1086

Der Tag begann mit Nieselregen, der hörte zwar bald auf, aber es ging dämpfig düster weiter. Unter einem dunkel drohendem Himmel fuhr ich an Smederevo vorbei. In der Umgebung dieser Industriestadt lagen viele Schiffe und Kähne vor Anker, alles in allem vielleicht gute 300, alle in schlechtem bis sehr schlechtem Zustand, man kam sich vor wie in einem Schiffsfriedhof, Kaum daß das Fahrwasser noch passierbar war.
Am frühen Nachmittag brach dann das erwartete Gewitter los. Bei schlechtester Sicht konnte ich zwar dank GPS noch ganz gut navigieren, ohne Radar war das wie Blindflug.

In einer Regenpause habe ich mir dann einen Ankerplatz außerhalb des Fahrwassers im Strom gesucht, vor einer Zeile Fischerhütten.

weiter
10.4.19 km1213 - km1152

In dem Altwasser, das ich mir nach der Karte zur Übernachtung ausgesucht hatte, hatte schon eine ganze Herde Lastkähne geankert. Sie sind offenbar schon länger dort, wie man an der Menge Treibgut sehen kann. das sich an ihnen verfangen hat.
Die Durchfahrt durch Belgrad war wenig spektakulär, es waren viele Sportboothäfen vom Fahrwasser aus erkennbar, aber nach der Erfahrung in Novi Sad habe ich mir das geschenkt.
Nach der Bekanntschaft mit den lückenhaften Kilometerschildern in Ungarn lasse ich nun den Laptop mit GPS32 und Openseamap mitlaufen, allerdings offline. Da ist der Zoomfaktor auf 13 beschränkt, gerade noch zur Navigation brauchbar. Die Darstellung der Karte ist ein Stück größer als im Handbuch und viel genauer. Auch sind alle Fahrwassertonnen und Verkehrszeichen eingetragen. Dadurch kann ich die Farbe einer Tonne schon in der Karte sehen, und überhaupt lassen sich die Tonnen leichter finden, wenn man weiß, wo man suchen muß. Leider wird die Kilometrierung erst ab Zoom 14 sichtbar, darauf muß ich verzichten und muß das Handbuch nach wie vor daneben liegen haben. Man könnte den Laptop auch online mitlaufen lassen, dann stehen alle Zoomstufen zur Verfügung, allerdings zehrt das mein Datenkontingent sehr schnell auf, ein kurzes, teures Vergnügen!
(Wer sich für die Kilometrierung genauer interessiert, findet im Netz unter www.openseamap.org eine Online-Karte mit Kilometerangaben)


weiter
9.4.19 km1258 - km1213

Aus dem Winterhafen in Novi Sad mußte ich ohne die versprochene Hilfe auslaufen: 50m weit rückwärts fahren, links und rechts nur je ein knapper Meter Raum, dann ein rechter Winkel raus ins Fahrwasser. Naja, langsam kann ichs wieder!

Das im Handbuch mit ein paar verknäuelten Ästen illustrierte Treibgutproblem ist erheblich schärfer: Es treiben etliche meterdicke Bäume mit 20 und mehr Metern Länge im Fahr- wasser. Dummerweise sind sie kaum sichtbar, solange sie schwimmen. Erst wenn sie am Ufer angetrieben sind und hoch auf dem Strand liegen wird das ganze Ausmaß des Problems sichtbar. Wer dem zu nahe kommt, wird nicht schadlos davonkommen! Gottseidank formiert sich das Treibgut zu ganzen Prozessionen, die schön ordentlich in Reih und Glied am Rande des Fahrwassers dahintreiben. Dadurch wird das leichter erkenn- und vermeidbar. Sowas gibt es nur hier! Auf Rhein oder Rhone undenkbar!

weiter
8.4.19 km1283 - km1258

Beim Zufahren auf Novi Sad sind mir diese Fischerhütten aufgefallen. Zwar stehen die Dinger seit der Slovakei überall an den Ufern, abseits der Ortschaften in kilometerweiten Abständen, in der Nähe von Städten entsprechend dichter. Die Besseren sind richtig feste Häuser, weniger begüterte Leute begnügen sich mit einer Plastikplane. Dazwischen gibt es alle Spielarten.
Im Bereich von Novi Sad zeigt sich dieses malerische Bild. Kein Haus ist wie das Andere, alles Unikate. Sowas hat man z.B. auch in Ampuria Brava oder Port Grimaud angestrebt, trotz aller Kunst der Architekten bleibt das Stückwerk, hier ist es echt! Die Menschen auf dem Balkan lassen sich offenbar nicht so wie in DE von ihrer Verwaltung bevormunden, und bauen wie nur sie selbst wollen. Heraus kommt nicht etwa Chaos,(wie uns unsere Verwaltung weismachen will), sondern dieses Bild, das woanders in geradezu verzweifelter Manier kopiert, aber nie erreicht wird!

In der Hoffnung, meine schwindenden Vorräte ergänzen zu können, einen vernünftige Zugang zum Internet und endlich eine heiße Dusche zu bekommen, bin ich in den Winterhafen in Novi Sad eingelaufen.

Dieser Hafen ist vollgestopft mit Hausbooten und kleinen Angelbooten, ganz hinten am Ende des langen Schlauches hat mich eine junge Dame (online per Telefon begleitet von ihrem Chef) in einen kriminell engen Liegeplatz eingewiesen: 20€. Das einzig wirklich Gute war das Wlan, die Versorgung weit weg und ziemlich mau, Dusche nicht vorhanden.
Serbien ist offensichtlich ein armes Land mit hoher Arbeitslosigkeit. Das erkennt man daran, daß auch unter Woche jede Menge Angler, mit und ohne Boot zugange sind, daß der Personalstand in den Läden bzw. in dem Supermarkt, den ich weit weg gefunden habe, etwa 3mal so hoch ist wie in DE, daß die Dichte von Kleinhandel, Würstelbuden und Gastwirtschaften erheblich höher ist als gewohnt, daß die Packungen von edleren Lebensmitteln, insbesondere Kaffee, nur halb so groß sind (250g).
Daß die Preise für Touristen dennoch so exorbitant hoch sind, kann ich mir nur mit gespaltenen Listen erklären: Einheimische zahlen in Landeswährung, Touristen bisher grundsätzlich in €. Ich kann nicht glauben, daß die Boote, die um mich herum liegen, alle 20€/24h zahlen. Ich halte eher 1% für realistisch: Touristen werden mit dem hundertfachen Preis abgezockt!
Die Sprachbarriere wirkt sich für die Serben offenbar genauso aus, wie in Ungarn. Hier allerdings trifft man noch eher Menschen die Englisch können als Deutsch. Als ich im Supermarkt fragte, ob ich mit Karte zahlen könne, bildete sich ein Knäuel von mindesten 20 Menschen, bis mir endlich einer sagen konnte, daß es geht (auf englisch).
All diese Beobachtungen führen zu dem Eindruck, daß in Serbien der Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit besonders weit klafft. Ich kann mir gut vorstellen, daß das einer der Gründe für den Krieg war. Auch die Ungarn sind nicht frei von diesem Problem! Ich sehe da ein Betätigungsfeld für die EU, dem dringend mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, sonst werden die Zentrifugalkräfte bald nicht mehr beherrschbar sein!

(Mein Internetzugang wird immer schlechter, es kann sein, daß ich längere Zeit keine Möglichkeit haben werde, diesen Blog regelmäßig zu bedienen. Keine Angst, es wird nichts vergessen und alles bei Gelegenheit nachgeholt!)

weiter
7.4.19 km1360 - km1283

Ich bekam doch eine sehr schöne und frühe Morgensonne, denn das Altwasser, in das ich eingelaufen war, verlief genau in Richtung Sonnenaufgang, perfekt! Zum Ausgleich war das Hochholen das Ankers mit Schwierigkeiten behaftet: Ganz anders als erwartet erschien er kopfunter umschlungen von seiner Kette an der Oberfläche! Da hat sich doch das Schiff während der Nacht mehrmals im Kreis gedreht und so eine Schlinge aus der Kette gebildet, daß es sich von selbst nicht auflösen kann. War eine gute Stunde Arbeit, die Kette mit einem Seil entlasten, und Stück für Stück die Kette mit dem Bootshaken entwirren, dazu immer wieder hochholen und absenken. Mit der manuellen Winch hätte es dreimal so lange gedauert.

Beim Entlangfahren zwischen Serbien und Kroatien wird der Unterschied zwischen den beiden Ländern unübersehbar: Das kroatische Ufer ist mit Häusern, Ortschaften, Städten, Häfen, Industrieanlagen dicht besetzt, In Serbien gibt es fast nur Natur. Von den nach dem Handbuch erkennbaren Kriegszerstörungen ist allerdings wenig zu sehen, nur 1 Gebäude mit großem Loch. Wie überall gibt es aufgelassene und kaputte Industriebauten, von den Bombenfolgen, wie ich sie aus meinen Kindertagen in meiner Heimatstadt kenne, ist jedoch nichts zu sehen. Auch bei diesem Krieg war wie fast immer der Nationalismus die Triebfeder, auch da bietet die EU die einzig wahre Lösung.

Der Tag begann mit Sonnenschein, wurde immer wärmer, da habe ich eine Schicht meiner Kleidung nach der anderen abgelegt, ein Sommertag!

Mittags wollte ich wieder für eine Pause in ein Altwasser (km1308) einfahren, war aber zu seicht. Da habe ich mal in der Strömung geankert, war auch nicht das Wahre. Da fiel mir das Wiederlosfahren eher leicht. Das für die Übernachtung angepeilte Altwasser war mit einem "Einfahrt verboten"-Schild versehen. Da habe ich eben vor der Einfahrt geankert, auch nicht schlecht, rundherum fast je 1km Wasser.
Heute habe ich auch nach den km die Hälfte der Gesamtstrecke hinter mich gebracht, wenn man die Woche Aufenthalt in Budapest abrechnet, käme, die Vorhersage mit Ende April schon hin, so wird es halt die erste Woche Mai.

weiter
6.4.19 km1424 - km1360

Ich erwachte in einen kalten, nebligen Morgen. Eigentlich war es temperaturmäßig gar nicht so kalt, fast noch 10°C im Schiff, vielleicht bin ich empfindlicher geworden. Die Kälte dämpft die Initiative gewaltig, man findet immer neue Gründe, nicht aufstehen zu müssen. Erst als sich der Nebel lichtete, und sich das gegenüberliegende Ufer im Sonnenschein zeigte, kam ich richtig in die Gänge. Dabei wurde mir klar, daß ich für Morgensonne am falschen Ufer lag, und ich nicht rüber konnte, solange dort Kroatien ist. Das wäre anders, wenn das alles Schengen wär!

Ich habe natürlich den Schrottkahn, an dem ich liege, bei Licht nochmal genau angesehen. Er ist vermutlich ein Produkt von nach '45, hat schon die 11,5m-Normbreite und vielleicht 60 oder 80m Länge. Alle aktiven Elemente sind für ausschließlich Handbetrieb, Ankerspill, Steuerrad, Kran. Der Mensch, der von Hand die 1-zöllige* Ankerkette hochholen mußte, war bedauernswert. Dafür hatte der Kahn, gemessen an den Schlafplätzen, die man durch die zerbrochenen Fenster sehen konnte, etwa 5 Mann Besatzung.
Kein Wind mehr, die Donau glatt wie ein Dorfteich! Es zeigt sich, daß nach GPS der Gegenwind der letzten 2 Tage fast einen ganzen Knoten gekostet hatte. Die Wolken werden immer weniger, die Sonne immer mehr. Mittags komme ich bei einem so einladendem Altwasser (km1394) vorbei, daß ich für eine Pause den Anker rauslasse.Es fällt mir schwer, nach einer Stunde weiterzufahren, am liebsten wäre ich für den Rest des Tages dageblieben.

Schließlich mache ich an einem Altwasser bei km1360 Schluß für heute.
Selbstverständlich auf der serbischen Seite (ohne Morgensonne!)

(*)Ketten werden nach dem Durchmesser des Drahtes bemessen, aus dem die Glieder gemacht sind. Hier ein 1"iger Draht, also 2,5cm. Die Festina Lente hat eine 10mm-Ankerkette. Die Kettenstücke von den großen Seeschiffen, die manchmal dekorativ auf die Hafenpromenade drapiert sind, haben bis zu 5".

weiter
5.4.19 km1516 - km1424

Die Fähre wollte nicht auslaufen. Vielleicht war was daran kaputt, denn man hat daran herumgewerkelt.
Als ich auf den Fluß hinauskam, war der Wind und damit der Seegang noch ein Stück stärker geworden, es war auch deutlich kälter, sehr ungemütlich. Der Himmel vor mir im Süden wurde immer dunkler, und am späten Vormittag kam dann auch richtig der Regen. Durch die steife Brise genau von vorne blieb ich leidlich trocken, denn das Hardtop erfüllte seinen Zweck.
Am frühen Nachmittag machte ich dann nach vielen Jahren wiedermal Bekanntschaft mit dem Zoll im Non-Schengen-Raum: Ausklarieren aus Ungarn in Mohacs. Zuerst das Gute: Es hat nichts gekostet. Es hing im Zollgebäude sogar ein mehrsprachiges Plakat aus, mit dem man aufgefordert wurde, zu melden, wenn Geld verlangt würde, als Antikorruptionsmaßnahme.
Die Zahl der vielen im Handbuch angegebenen Anleger ist auf genau einen geschrumpft, an dem habe ich gezwungenermaßen angelegt. Im Zollgebäude waren wohl alle Büros besetzt, aber ich hatte den Eindruck, jeder einzelne Amtsmensch fühlte sich durch mich beim Kaffeetrinken oder Plauschen mit Kollegen gestört. Alles in drei Ausfertigungen, man wollte den Führerschein, den Reispaß und das Schiffszertifikat sehen. Es ging alles dennoch verhältnismäßig schnell, vielleicht hatten sie auch gesehen, daß inzwischen ein großes Flußkreuzfahrtschiff auf den von mir belegten einzigen Liegeplatz wartete. In meinen Augen ist diese ganze Prozedur überflüssig wie ein Kropf. Erst wenn man das erlebt hat, weiß man was wir an der EU und Schengen haben!

Der Kreuzfahrer wartete geduldig bis ich abgefahren war, der Mann für die Vorleine am Bug zeigte keine Regung, erwiderte auch nicht meinen Gruß.
Dann ein paar Kilometer weiter, einklarieren in Serbien in Bezdan. Wenn es nicht im Handbuch angegeben wäre, hätte ich das niemals gefunden. Als Anleger ein Schrottkahn mit der verblichenen Aufschrift "Agent". Beim Anlegen kam allerdings sofort ein diensteifriger Mensch herangesprungen und übernahm die Leinen. Als erstes eröffnete er mir, daß alles 20€ kostet. Er hatte offenbar im großen und anscheinend weitgehend leeren Zollgebäude ein eigenes Büro mit der Aufschrift "Agent", wo er von dem Papier, das ich in Mohacs erhalten hatte, 3 Kopien machte. Eine einsame Dame nahm die 3 Kopien an sich, warf einen Blick in Reisepaß und Schiffszertifikat, und gab mir wieder ein gestempeltes Papier. Das wars. Der freundliche Agent kassierte seine 20€ (wohlgemerkt, nicht die Landeswährung!), und lud mich freundlicherweise zum Mitessen ein, wohl weil er mit seinen zwei Kollegen gerade Spaghetti gekocht hatte. Da habe ich schon für schlechtere Spaghetti mehr bezahlt!
Über diese ganze Prozedur und den Unterschied zur ungarischen Variante kann sich jeder sein Teil denken!

Der freundliche Agent wollte wohl seinen Liegeplatz für das nächste Opfer freihalten und ließ mich nicht über Nacht bleiben. Da bin ich noch einen Kilometer weitergefahren und habe an einem von den vielen dort liegenden Schrottkähnen längseits festgemacht. Zuerst wollte ich in einer Ausbuchtung des Flusses ankern, das war jedoch offenbar ein Gumpen, fast 30m tief! Da habe ich besser darauf verzichtet!

weiter
4.4.19 km1580 - km1516

Nachdem ich aus dem windgeschützen Hafen ausgelaufen bin, habe ich auf dem Strom heftigen Wind mit dem entsprechenden Seegang angetroffen. Der Wind kam genau aus Süd, und lange Stücke der Donau verlaufen in genau dieser Richtung, so daß der Seegang z.T. viele Kilometer "fetch" hat und sich entsprechend aufbaut. Es spritzt regelmäßig ans Deck, und als ich mal über das Hardtop hinwegschaue, kriege ich auch was ab. Der Wind ist so stark und gleichzeitig hat die Strömung so abgenommen, daß das Vorankommen ernsthaft behindert wird.
In dieser Gegend hat der Fluß besonders viele Buhnen, und vor jedem Buhnenkopf ist gewöhnlich eine Fahrwassertonne plaziert. Weil ich nach Süden fahre, sehe ich die Tonnen nur als schwarzen Punkt in der Glitzerfläche, welche Farbe die Tonne hat, kann ich erst identifizieren, wenn ich bis auf etwa 50m herangefahren bin. Es ist wie beim Ski-Abfahrtslauf, wer an der falschen Seite vorbeifährt, hat verloren!
Es gibt auch wieder Kilometerschilder. Einmal habe ich sogar auf der Gegenseite eine Doublette entdeckt. Es scheint im Ermessen der jeweiligen lokalen Schiffahrtsbehörde zu liegen, welche Prioritäten sie setzt. Was im Bereich südlich von Budapest zum Ausgleich besser gemacht wird, habe ich nicht herausgefunden.

Weil in Gerjen der Platz hinter dem Fähranleger als guter Ankerplatz angegeben ist, und auf längere Distanz nichts Besseres mehr kommen wird, bin ich da eingelaufen: Kleinster Ankerplatz bisher, wie ein Mühlenteich, selbst der Hafen in Gebersdorf ist mindestens eine Nummer größer. Weil die ziemlich große Fähre am einzigen Anleger festgemacht hat, und möglicherweise irgendwann losfahren will, habe ich mich in die hinterste Ecke gequetscht, denn wenn man die am Auslaufen hindert, werden die sicher keinen Spaß verstehen. Gottseidank ist es ausreichend tief, gar keine Strömung und kein Wind.

weiter
3.4.19 km1657 - km1580

Kaum hat mich mein Gast verlassen, habe ich abgelegt und die unterbrochene Reise wieder aufgenommen.
Die Stadtdurchfahrt fand unter einem dunstigem Himmel mit bleicher Sonne und sehr kaltem und starkem Wind statt, die Beleuchtung wurde der berühmten Brücke nicht gerecht.

Seit Budapest sind die Kilometerschilder lückenhaft, sie stehen auch nicht mehr streng auf einer Seite, sondern mal hüben, mal drüben. 10tel Kilometerschilder gibt es schon lange nicht mehr. Überhaupt sind diese Schilder mit weißer Schrift auf schwarzem Grund an der Donau im Gegensatz zu denen am MD-Kanal sehr unauffällig und schwer zu lesen. Oftmals sieht man den weiß gefärbten Pfosten besser als das Schild selbst. Das erschwert die Navigation enorm, zumal nicht alle Strukturen im Handbuch vermerkt sind, Fährlinien, Hochspannungsleitungen und viele Altwässer erscheinen im Handbuch überhaupt nicht. Da werde ich mich in Zukunft wieder mehr auf GPS und eKarte verlassen müssen!

Dadurch habe ich deutlich länger gebraucht, mein Tagesziel zu finden, und habe vorher irrtümlich 2 Altwässer angefahren und wg. unzureichendem Tiefgang wieder verworfen. Daß mein Ankerplatz eigentlich ein Industriehafen ist, habe ich erst gesehen, als ich den langen Schlauch schon abgefahren hatte. Das Ankern mit der nunmehr elektrisch betriebenen Winch war ein Kinderspiel. Da fällt einem die Entscheidung sehr leicht, wenn der erste Platz nicht gefällt, den Anker wieder hochzuholen und woanders nochmal zu versuchen.

weiter
2.4.19 km1657

Heute Mittag kam mein lange angekündigter Gast, hat alles reibungslos geklappt, war offenbar einfacher als erwartet.Man hat mir einige wichtige Dinge mitgebracht, soweit erfolgreich. Auf die angestrebte Stadtdurchfahrt per Schiff mußte jedoch aus Zeitgründen verzichtet werden.

weiter
1.4.19 km1657

Der Tag heute begann zwar sonnig, aber der Himmel zog sich bald zu, daß die erwartete Wärme ausblieb, und die Solarpanels die Batterien nicht mehr richtig vollbrachten. Einerseits ist dadurch die Mittagstemperatur nicht mehr ganz so hoch, aber vor allem die Nachttemperatur nicht mehr so niedrig, insgesamt angenehmer. Ich ging nochmal einkaufen, der Laden heißt Penny, hat aber ein völlig anderes Angebot als gewohnt, für mich eher unbefriedigend. Insbesondere das angebotene Brot fand nicht meinen Beifall!

weiter
31.3.19 km1657

Heute war der bisher wärmste Tag. Mittags hatte ich tatsächlich 20°C im Schiff, draußen allerdings volle 30°C.
Vormittags kam der 8er mit den nationalfarbenen Ruderblättern wieder vorbei, diesmal mit beeindruckendem Renntempo. Die Taktkommandos des Steuermanns schallten megafonverstärkt über das Wasser. Also doch Olympiamannschaft! Sie fuhren sogar schneller als die meisten Motorboote, deren Wellenschlag beim Passieren jedesmal die Festina Lente gefährlich durchschüttelt.

Langsam bekommt die Landschaft Farbe, aus grau und braun wird grün. In der vergangenen Nacht hat mich auch der erste Moskito dieses Jahres heimgesucht, es gibt sie noch! Wenigstens in Budapest, wenn auch nicht an der Schleuse Eibach.

Die ungarische Sprache ist für mich absolut unverständlich. Mit den meisten romanischen Sprachen habe ich da deutlich weniger Probleme, auch wenn ich die Sprache selbst nicht beherrsche, so reicht es doch um z.B. Straßenschilder oder Zeitungsschlagzeilen zu entziffern. Mit Ungarisch geht da gar nichts, es könnte genauso gut Chinesisch sein. Dazu kommt noch, daß man abseits von Touristenzentren kaum jemand antrifft, der eine Fremsprache beherrscht, Deutsch noch eher als Englisch. Verschärft wird das Problem noch durch die Neigung der Ungarn, wenn man ihre Sprache nicht versteht, die Kommunikation zu verweigern, wie ich es ähnlich in Frankreich erfahren habe. Das Gegenbeispiel bieten die Finnen, die eine vergleichbar "schwierige" Muttersprache haben, aber Englisch als lingua franca so akzeptiert haben und pflegen, daß es dort schon fast zu einer zweiten Landessprache geworden ist. Daraus resultiert mein Eindruck, die Differenzen, die die Ungarn mit der EU haben, rühren hauptsächlich von der Sprache her, sie sind dadurch isoliert bzw. isolieren sich selbst. Auch ist das Internet recht unterentwickelt, soweit man das am Vorhandensein von Wlan erkennen kann. Selbst touristisch motivierte Internetseiten sind häufig nur einsprachig ungarisch abgefaßt. Es scheint mir klar, daß dadurch der Boden für Fehlinformationen (oder neudeutsch Fake News) besonders gut bereitet ist, und Mißverständnissen Tür und Tor geöffnet ist.

weiter
30.3.19 km1657

Das mit der Olympiamannschaft scheint so spekulativ nicht zu sein: Heute kam ein 8er mit Steuermann vorbeigerudert, dessen Ruderblätter alle mit den ungarischen Nationalfarben versehen waren! Er fuhr allerdings eher gemächlich vorbei. Dafür kam eine ganze Horde Stand-Up-Paddler. Ich habe natürlich darauf gelauert, daß einer reinfällt, den Gefallen hat mir aber keiner getan. Als Exot wurde mir auch eine (bisher einzige) geruderte Proa präsentiert. Auch sie fuhr nicht sonderlich schnell. Paddeln und Rudern scheint ein ungarischer Nationalsport zu sein, kein Wunder bei den Trainingsmöglichkeiten!
Nachdem ich meinen Bedienhebel für die Ankerwinsch verloren habe, habe ich mich heute mit dem elektrischen Teil der Ankerwinsch befaßt, damit das Ankern, insbesondere das Hochholen des Ankers, nicht zu mühsam wird. Ich hatte schon alles vorbereitet, eine extra Batterie installiert, und habe die jetzt angeschlossen, also das ursprüngliche, sehr lange Kabel zur Batteriebank gekappt und an die Ankerbatterie angeschlossen. Nach dem Öffnen des Motorgehäuses zeigte sich der Anriebsmotor in einem leidlich guten Zustand, wenn auch äußerlich ziemlich korrodiert, Ursache dafür war wohl das Versagen der Gehäusedichtung, die habe ich nach einer gründlichen Reinigung mit Silikon überschichtet. Der Kasten mit den Steuerschützen sah auch nicht besonders gut aus, die Schützen funktionierten jedoch noch. Unrettbar verloren war die Bedieneinheit, ein Kunststoffgehäuse ohne Dichtung, der Innenteil jenseits von Gut und Böse verrottet. Nun gibt es auf der Festina Lente noch einen Heckanker samt Winch, das Bedienteil für diese Winch war in einem deutlich besseren Zustand, um nicht zu sagen jungfräulich, vermutlich weil es in einem Aluminiumgehäuse mit guter Dichtung eingebaut war. Das habe ich nun zu einer funktionellen Einheit verbunden - geht!
Eigentlich hatte ich vor, da eine Funk-Fernbedienung dranzubauen, nachdem ich jedoch gesehen hatte, wieviel Strom die Schützen ziehen, wollte ich das den kleinen Relais in der Fernbedienung nicht zumuten, da müssen noch Lastrelais dazwischen.

weiter
29.3.19 km1657

Unter Tags wird es jetzt richtig warm, wenn auch die vergangene Nacht kalt bis nahe 0°C war. Das Gefühl hier ist trotzdem ziemlich mediteran, es liegt vieleicht an der Vegetation, die deutlich anders ist als in DE. Man könnte auch meinen, es ist das Verhältnis der finanziellen Potenz zwischen privaten und öffentlichen Institutionen, wie ich es von vielen Mittelmeerländern, besonders Italien, kenne: Privater Reichtum, öffentliche Armut. Man erkennt das am Zustand der jeweiligen Immobilien: Schlechte Straßen, an denen hinter Mauern Luxusvillen stehen. In DE ist das umgekehrt.

Auf dem Wasser sind zu jeder Tageszeit alle Sorten von Ruderfahrzeugen zugange. Sie kommen meist in Gruppen, begleitet von einem Motorboot, darin der Trainer, der per Megafon Anweisungen gibt. Insbesondere kommen ganze Rudel von Kajakfahrern hier vorbei. Stromaufwärts fahren sie ganz knapp am Ufer vorbei, wohl wegen der Strömung, und auch ganz knapp an der Festina Lente. Sie trainieren mit einem bewunderungswürdigen Ernst und Engagement, daß man meinen könnte, es wären alles Olympiateilnehmer. Obgleich ich den Fluß 2km rauf und runter überblicken kann sehe ich weder ihren Start- noch Zielpunkt.

Man hat mir per Telefon verkündet, daß sich die Ankunft meiner Gäste bis Mittwoch verzögert, und ich bis dahin bleiben müsse. Diese Woche Verzögerung wir sich bis nach hinten durchschieben, und mein Termin an der Insel Elba, der ohnehin schon knapp war, ist dadurch sehr gefährdet und wird möglicherweise hinten runterfallen.

weiter
28.3.19 km1657

Hier werde ich erstmal ein paar Tage bleiben, denn ich erwarte Gäste, die mit mir eine Stadrundfahrt durch Budapest machen wollen. Ich nutze die Zeit für einige Service- und Reparaturarbeiten. Weil die Tankstelle erfreulich nahe ist, habe ich schonmal getankt. Pro Tour mit dem Fahrrad kann ich 60l Diesel heranschaffen. Eigentlich wollte ich einen 4, Kanister auf das Fahrrad laden, aber das fährt sich dann sehr unsicher, also nur 60l. Heute bin ich 3 mal gefahren, und der Tank ist bei weitem noch nicht voll. Weil ich den Diesel 20l-weise einfülle, nutze ich die Gelegenheit, eine Tabelle zu erstellen, um den e. Widerstand des Tankgebers in Liter zu übersetzen.

weiter
27.3.19 km1683 - km1657

Für die letzten km bis Budapest scheint wieder die Sonne, und es ist deutlich wärmer. In Budapest gibt es nicht allzuviele Anlegemöglichkeiten, vor allem keine Altwässer mehr. Erstmal bin ich ich den Szentendre-Seitenarm eingefahren und habe an einem Restaurantsteg festgemacht, nicht ganz umsonst.

weiter
26.3.19 km1744 - km1683

Der Tag ist wiedermal sehr kalt, zwar immer wieder Sonne, aber ein sehr unangenehmer böiger Wind, sodaß ich die dicke Jacke wieder hervorholen muß. Der Wind ist streckenweise so stark, daß sich ein häßlicher Seegang aufbaut, der Wasser bis an Deck spritzt. Abends fahre ich wieder in ein schmales Altwasser ein. Nach der Karte scheint es geeignet zu sein, die Strömung ist aber viel stärker als erwartet, und ich habe mich erstmal festgefahren, obgleich das Echolot noch 0,6m unter Kiel meldete. Es war ein Stück Arbeit, das Schiff wieder freizubekommen. Beim Anker hochholen habe ich dann auch noch meinen Schwengel für die Ankerwinsch verloren. Die Ratsche hat nicht richtig gegriffen, und ist um einen Zahn zurückgesprungen. Der Schwengel ist dabei im hohen Bogen weggeflogen, glücklich, daß ich ihn nicht ins Gesicht bekommen habe.

weiter
25.3.19 km1787 - km1744

Die Nacht war dann doch nicht so ruhig wie erwartet. Obgleich Wind und Strömung nicht nennenswert zu erkennen waren, hat die Festina Lente die ganze Nacht hindurch rund um den Anker herumgeschwoit, und dabei mit der Kette auf den Steinen häßliche Geräusche erzeugt. Morgens ein roter, wenn auch kalter Sonnenaufgang, und leider, wie angekündigt, diesiges und kühles Wetter.
Ich habe mir nun den unzuverlässigen Tankanzeiger vorgenommen, denn es macht mich sehr nervös, wenn ich nicht permanent über den Inhalt des Tagestanks informiert bin. Den Defekt habe ich schon durch Messung im Inneren des Instruments lokalisiert, und nun das Ding geöffnet.

Das Anzeigeinstrument hat 3 Anschlüsse, davon ist der Masseanschluß über die Befestigungsschraube realisiert, der + Anschluß und der Anschluß für den Tankgeber sind über Steckkontakte hergestellt. Und diese beiden sind böse korrodiert! Das erklärt den Defekt, zeigt aber auch, daß die deutsche Ingenieurskunst lange nicht mehr das ist, was sie mal war. Da hat man für diese explizit für die Seefahrt angebotenen Instrumente als Konstrukteur einen Dilettanten hingesetzt, der von den speziellen nautischen Erfordernissen keine Ahnung hat, und nicht überblickt hat, was diese falsche Materialwahl für Auswirkungen hat! Und das bei einer Weltfirma wie VDO!

Abends habe ich dann wieder in einem Altwasser geankert. Nicht ganz strömungsfrei. Ich habe 3 Anläufe gebraucht, bis der Anker gehalten hat: Den anvisierten Ort anfahren, Anker raus, rückwärtsfahren, bis das Schiff stoppt. Hat man den Anker aus dem anvisierten Bereich herausgeschleppt, Anker wieder hoch, zurückfahren und nochmal.

weiter
24.3.19 km5 - km1787

Nach kaum 4h Fahrt habe ich in einem klitzekleinen Altwasser auf der ungarischen Seite geankert, die Einfahrt kaum 30m breit, keine Strömung, und vor allem tief genug: ungefähr 3m. Im Handbuch zwar grob eingezeichnet aber kein Name, auch kein Verbotsschild, gar kein Schild. Beim Schwoien verhakt sich das hintere Ende des Mastes im Gebüsch, da ist das Ufer noch 4m entfernt.Einsam, Ruhe!
Rein quantitativ gemessen an der Seitenzahl habe ich nun die Hälfte des Handbuchs abgefahren. Von der Hälfte der Strecke fehlen noch 500km. Das erlaubt jedoch erste etwas präzisere Schätzungen: Etwa Ende April werde ich in Sulina zum Maststellen eintreffen!

weiter
23.3.19 km1884,5 - km1852, km37 - km5

Heute morgen hat sich gezeigt, auch die Tankstelle ist zu weit weg. Dennoch bin ich nochmal einkaufen gegangen, diesmal zu Penny. Dabei habe ich mir ein architektonisches Monster genauer angesehen, das ich so noch niemals gesehen habe, und das mir schon auf dem Stadtplan aufgefallen ist: Man hat mitten in das Städtchen so etwas wie ein Amphitheater gesetzt jedoch mit einer abweisenden kahlen Außenseite, 4 Stockwerke hoch. Erst von oben, aus dem Stadtzentrum, wird erkennbar was das ist: eine Einkaufsmall mit Parkplatz in der Mitte, viel zu groß für dieses Städtchen. An den Autokennzeichen kann man sehen, wer hier einkauft: hauptsächlich Kunden aus dem Nachbarland.
Noch vor Mittag bin ich abgefahren und habe gleich die Grenze zur Slovakei überquert und die neue Gastflagge gesetzt.
Eigentlich wollte ich im Altwasser Rameno Dunaja wieder haltmachen, weil es im Handbuch geradezu überschwenglich empfohlen wird. Allerdings hat sich gezeigt, daß entgegen der Beschreibung die Einfahrt zu seicht ist.
Ich bin dann doch weitergefahren und schließlich in einen riesigen See gekommen, zu dem die Donau vor der Schleuse Gabcikovo aufgestaut ist. Damit man sich in der weiten Fläche nicht verirrt, hat man in gewissen Abständen sowas wie Maulwurfshaufen mit Seezeichen darauf hingesetzt. Die bombastisch angekündigte Schleuse war eher harmlos, da bin ich schon durch größere gefahren, z.B. Iffezheim am Rhein

Auf die Frage, ob ich am Warteplatz im Unterwasser übernachten könne, hat mir der Schleusenwärter das verweigert, mich aber explizit und unmißverändlich auf den km5, Schleusenkanal verwiesen. Ich habe erwartet, dort irgendeine zum Übernachten hilfreiche Struktur vorzufinden, war aber nichts. Einfach nur Kanal. Weil die Sonne gerade unterging, blieb nur Ankern.

weiter
22.3.19 km1908,5 - km1884,5

Das Wetter ist schön, es ist leidlich warm, über 20°C, selbst der Pullover ist zuviel, langsam fängt es an, Spaß zu machen. Von dem schönen Anleger in Fischamend bin ich nur sehr zögerlich abgefahren, so idyllisch ist es dort. Ich habe mich, wie um nicht gleich abfahren zu müssen, noch mit ein paar Reparaturarbeiten aufgehalten. Aber schließlich habe ich mich doch losgerissen,

Kaum war ich auf dem Strom, habe ich mich schon nach der nächsten Anlegestelle umgesehen. Die Grenze zur Slovakei kommt schnell näher. Schließlich lege ich im Grenzort Hainburg an einem Anleger der Personenschiffahrt an. Ich werde nicht enttäuscht: An einem Bankomat kann ich meine Euros auffüllen, und es gibt sogar einen Lidl, wenn der auch andere Angebote hat als gewohnt. Alles im Radius von ein paar 100m.
Der Baumarkt ist mir allerdings zu weit entfernt, auf den verzichte ich. Nach einer Tankstelle werde ich morgen sehen.

weiter
21.3.19 km1926,5 - km1908,5

Mit schon fast körperlichen Schmerzen habe ich den hohen Peis abgedrückt, auch wenn er scheinbar durch den Extratag auf die Hälfte reduziert war. Es war schon deutlich nach Mittag, als ich endlich abgefahren bin. Zum erstenmal auf dieser Reise habe ich die Sonnenbrille hervorgeholt.

Der Strom ist sehr breit, grob geschätzt 2km, und scheinbar ruhig und glatt. Die Strömung merkt man nur, weil das Schiff nicht sauber geradeaus läuft, sondern ständig nach der Seite ausbrechen will. Erst an den Fahrwassertonnen sieht man, wie schnell die Strömung wirklich geht.

Am Spätnachmittag habe ich das einladend aussehende Altwasser in Fischamend angefahren. Das Handbuch sagt zwar, es wären maximal 1,8m Wasserrtiefe, aber dazu ist es zu schön und ich zu müde. Nach dem obligatorischen U-Turn habe ich große Mühe, die Einfahrt gegen die Strömung anzufahren, ich muß die Maschine mit über 3000 drehen lassen, um überhaupt voranzukommen. Dafür ist das Wasser am dort verlegten Steg strömungsfrei. Ein sehr freundlicher Mensch stellt sich mir als Hafenmeister vor, hilft mir beim Anlegen, versichert mir, daß er kein Geld will, und gibt mir sogar einen Hafenschlüssel ohne Quittung!
Und der Tiefgang reicht dicke, über 4m!

weiter
20.3.19 km1926,5

Morgens habe ich mich in Richtung Konsulat aufgemacht, es sind doch einige km durch die Stadt zu radeln. Auffällig ist die konsequente Bevorzugung der Radler im Verkehr. Es gibt überall extra Radlerspuren, Radlerampeln. Auch ist die problemlose Zulassung der "Neuen Verkehrsmittel" augenfällig, verschiedenste Elektrokleinfahrzeuge, also Segways, Hoverboards, Elektroroller usw sind da freizügig unterwegs. Monowheel habe ich keines gesehen, aber ich weiß, auch die dürfen in Österreich auf die Straße bzw. Rad- und Gehwege. Das sollte sich unser Bundesdeutscher Verkehsminister mal zu Herzen nehmen!

Meine Motivklingel funktioniert noch, obgleich sie eigentlich auf die früher teuren Analog-Filme geeicht ist, also nur bei außergewöhnlichen Motiven anschlägt. Wenn sie losgeht, fühle ich mich dringend veranlaßt, das Motiv abzulichten!

Im Konsulat war man beinhart, keine Sonderbehandlung! Obgleich ich glaube, so jemanden wie mich, und vor allem mit diesem Vorhaben sehen die auch nicht alle Tage! Dadurch macht Zuwarten keinen Sinn, also weiterfahren. Zuguterletzt hat mich auch ein Biber besucht. Zwar hatte er offenbar keine Angst vor mir, mit mir reden wollte er aber auch nicht!
Heute ist seit dem vergangenen Sommer der erste wirklich warme Tag. Die dicke Jacke ist mir zu warm, im Schiff ist es nicht etwa eisig kalt, sondern angenehm kühl, nach meiner subjektiven Empfindung!

weiter
19.3.19 km1979 - km1926,5

Abends habe ich in der Marina Wien festgemacht. Weil ich das US-Konsulat wegen des USA-Visums aufsuchen will, habe ich riskiert, in diesem vermutlich teuren Hafen festzumachen. Der tatsächliche Preis übersteigt jedoch meine Erwartungen bei weitem, es ist geradezu obszön teuer. Da bin ich wohl in einen Millionärsclub geraten!
Der Hafen ist, wie alle Häfen in dieser Zeit offiziell geschlossen, so dauert es bis Mittag, bis ein Offizieller erscheint und mich über den Preis aufklärt. Da zeigt sich, daß das Konsulat bereits geschlossen hat. Der Offizielle ist immerhin bereit, mir einen extra Tag ohne Mehrkosten zu genehmigen, so werde ich das Konsulat morgen vormittag aufsuchen.

weiter
18.3.19 km2007,4 - km1979

Wie vom Wetterbericht versprochen, war es wieder sehr kalt, eine kalte Nacht und ein kalter Tag. Ich habe am Warteplatz der Schleuse Altenwörth im Unterwasser festgemacht. Am Wehr stürzen großé Wassermengen über den Überlauf, es liegt ein ständiges Donnern in der Luft, der Fluß gebärdet sich wild und mit Schaum bedeckt. Grandiose Einsamkeit, kein Mensch weit und breit. Spät abends zieht ein einziger Frachter unten in die Schleuse. Ansonsten nichts, nur Ruhe.

weiter
17.3.19 km2079 - 2007,4km

Der Wetterbericht verspricht schon seit Tagen ein fabelhaftes Sonntagswetter. Vorher gab es jedoch noch eine kalte Nacht und dicken Morgennebel. Als dann die Sonne zu wärmen begann, habe den ungastlichen Ort gleich verlassen und mich auf den Fluß hinausbegeben, der hier eine sehr heftige Strömung hat. Die entgegenkommenden Frachtschiffe müssen Vollgas fahren, um überhaupt noch voranzukommen, und werfen gewaltige Wellen auf, was die Tour für mich zu einem wilden Ritt macht. Eigentlich schon nach Mittag halte ich Augen offen nach einer Anlegemöglichkeit, aber es gibt nur Anlegestege in der heftigen Strömung. Erst am Spätnachmittag sehe ich den Eingang zu einem kleinen Altwasser, das auch im Handbuch angegeben ist. Wie beschrieben, ist es wirklich sehr gut, tiefes, strömungsfreies Wasser, Auch am Eingang tiefes Wasser. Leider keine Abendsonne, da steht ein Berg im Wege. Rein, Anker raus, und Ruhe! Im Google Maps kann man sehen, daß es im Sommer ziemlich voll werden kann. Jetzt bin ich ganz allein hier, kein Mensch weit und breit.
Allerdings machen die Bergfahrer einen ordentlichen Lärm. Die Frachter schleichen im Schneckentempo an meinem Refugium vorbei, selbst eine Oma mit Krückstock wäre schneller. Die Kapitäne queren auf der Suche nach geringerer Strömung die Fahrrinne hin und her, und dennoch bleiben sie trotz Vollgas minutenlang stehen. Zwar haben wir momentan Hochwasser und stärkere Strömung, Aber angesichts dieser Quälerei kommt man zur Überzeugung, daß die hiesigen Wasserbauer nicht auf der Höhe unserer Zeit sind, und dieser wichtigen europäischen Wasserstraße nicht gerecht werden. (Das gilt ganz genauso für die deutsche Donau)
Nachdem ich den Oberrhein und die Rhone schonmal gefahren bin, und gesehen habe, wie perfekt das dortige vermutlich ursprünglich schlimmere Problem gelöst wurde, wäre mein Vorschlag, man solle mal die Franzosen fragen, denn die wissen, wie's geht!

Leider ist es etwas eng hier. Bei ruhigem Wetter scheint es zu auszureichen, aber heute Nacht fegten etliche harte Böen über das Tal, und der Lärm hat mich jedesmal veranlaßt, nachzusehen ob der Anker hält, Das Schwoien verursacht mit der schleifenden Kette einen befremdlichen Lärm, und jedesmal war das Ufer gefährlich nahe. Doch, der Anker hat gehalten, ich habe ihn auch nach Vorschrift eingefahren. Vielleicht habe ich etwas zuviel Kette gesteckt. Eine sehr unruhige Nacht!

weiter
16.3.19 km 2079 - km2050

Es war schon fast Nachmittag, als ich endlich abgefahren bin. Eigentlich wollte ich in Willersbach wieder anlegen, weil im Handbuch der Gemeindesteg als gut ausgewiesen war, der lag aber noch hoch und trocken auf dem Ufer, nichts zum Anlegen. Genauso der Wartesteg an der Schleuse Ybbs. Der war zwar im Wasser, aber mit Planen verhängt und keine Poller, Baustelle. Dazu in der stärksten Strömung, ich mußte fast mit Vollgas fahren, um ihn überhaupt zu inspizieren. Wie immer bin ich dann im letzten Licht in den Hafen Marbach eingefahren, und habe mit Problemen an einem scharfkantigen blechernen Steg festgemacht. Ein menschenleerer Hafen kein Hinweisschild. Morgens kam dann ein Hafenmeister und hat mir für das Festmachen an dem kriminell scharfkantigen Ding 20€ abgenommen, keine sanitären Anlegen, kein Strom, kein Wlan, einfach unverschämt überteuert.

weiter
15.3.19 km2079

Ruhetag, versuche meine Klamotten zu trocknen, alles naß, kalt und schwer.

weiter
14.3.19 km2132 - km2079

Nach einer weiteren Regenfahrt habe ich in Grein am Gemeindesteg festgemacht. Als ich in Linz abfahren wollte, mußte ich feststellen, daß mir der freundliche Unterstützer ein ziemliches Ei gelegt hatte. Das Ausfahren ohne Hilfe aus der Box war nicht ganz so einfach, und er hatte alle Festmacher mit Schlingen an den Ringen befestigt, was zwar aussah wie ein Palstek, aber keiner war, und sich fest zugezogen hatte. Das alles zu bereinigen und auf Slip zu legen hat im strömenden Regen fast eine Stunde gedauert. In Grein hat es mir dann gereicht, und ich habe mich erstmal verkrochen, um wieder warm zu werden.

weiter
13.3.19 km2200 - km2132

Heute war es war kalt, aber es hat nicht geregnet. Das erste Stück Donau ging genau wie gestern zwischen steilen Hängen, aber nicht allzuhohen Bergen hindurch. Der Fluß füllt das Tal vollständig aus, kaum das da noch eine Straße daneben hinpaßt. Dafür ist die Donau hier sehr tief, bis über 20m. Erst ab der Schleuse Ottensheim weitet sich das Tal, und gibt sogar einen Blick auf ein fernes hochalpines Panorama frei.

Heute bin ich in Erwartung einer Ganzkörperwäsche (Dusche) in den Winterhafen Linz eingefahren, wurde jedoch grausam enttäuscht. Ein freundlicher Mensch schien schon auf mich gewartet zu haben und hat mich in eine viel zu kurze Box gelotst, und darin das Festmachen fürsorglich und tatkräftig unterstützt. Dann hat er mir für eine Nacht 10€ abgenommen, um mir dann zu eröffnen, daß die sanitären Anlagen noch eingewintert und nicht nutzbar seien.

weiter
12.3.19 km2231,5 - 2200km

Beim Losfahren war das Wetter noch trübe, aber schon in der Schleuse Kachlet gab es ein paar Sonnenstrahlen, das hebt die Stimmung ungemein! Eigentlich wollte ich nach der Schleuse in Passau nochmal anlegen, aber keine Chance, keine Anlegestelle, nur Verbotsschilder. Am Wartekai der Schleuse Jochenstein, letzte Station in Deutschland, habe ich die österreichische Gastflagge gesetzt, steuerbord, und backbord eine Europaflagge!

Die Gemeinde Engelhartszell hat ausgesprochen viele Anleger, einer davon ist extra für Sportboote ausgewiesen, so steht es jedenfalls auf dem daran angebrachten Schild. Tankstelle genau oberhalb dieser Anlegestelle, keine 50m entfernt, dazu ein offenens Wlan, das ist der Gipfel der Glückseligkeit, gibt es nur in Österreich! Obendrein ist der Diesel der billigste seit langem!
Naja, das Wlan ist doch nicht so offen wie es scheint, da sind wohl mehrere Einschränkungen drin: Es läßt keine FTP-Verbindungen zu, das Pflegen dieser Seite ist darüber nicht möglich, und auch eine Zeitbeschränkung, nach ein paar Minuten geht es gar nicht mehr. Dickes, sehr dickes Minus! Schande über Engelhartszell!

weiter
11.3.19 Km2231,5

Weil das Wetter gestern so schlecht war, und meine Kleider kalt, schwer und naß waren, habe ich mich zu einem Ruhetag entschlossen, um alles zu trocknen. Entgegen der Erwartung wurde das Wetter noch schlechter, aus Regen wurde Schnee, der Wind hat kaum nachgelassen. Vormittags war ich mit dem Fahrrad bei der nahen Tankstelle, und habe 60l Diesel herangeschafft, wieder ein Stück teurer. Nachmittags war ich im Baumarkt, habe aber die Kartusche Abschmierfett, für das ich das unternommen hatte, nicht bekommen, ausverkauft. Langsam geht mir das Wasser aus, die leeren Behälter stapeln sich. Aber alle außen zugänglichen Wasserhähne sind wg. Winter noch abgesperrt.

Inzwischen sind die Hänge rund um Passau weiß - der Winter ist zurück.


weiter
10.3.19 km2285 - km2231,5

Die heutige Fahrt war recht ereignislos, nur das Wetter war extrem schlecht, kalt, strömender Regen und böiger Wind. Es ist immer das Gleiche mit diesem Wetter: Trotz Regenschutz durch das Hardtop wird man immer nässer und kälter. Zuerst sind die Handschuhe durch, schließlich auch die dicke Jacke, spätestens wenn auch die Füße naß sind, fängt man an zu schnattern. Dazu kommt, daß mein Handbuch sehr nässeempfindlich ist, trotzdem es weit unter Dach liegt, treibt der Wind immer wieder den Regen dorthin und näßt das Buch. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als es unten in den Salon zu legen und blind zu fahren. Das Buch ist von Banzhaf im Verlag Rheinschiffahrt erschienen. Ich halte es für kriminell, sowas auf den Markt zu bringen. Wenn das Buch auch nur feucht wird, kleben die Seiten unlösbar zusammen, und beim Versuch, das wieder aufzublättern, löst sich die Druckfarbe vom Papier, das Ergebnis ist absolut unlesbar: Ein für den vorgesehenen Zweck total ungeeignetes Produkt.

Am Wartekai vor der Schleuse Kachlet war diese kalte und nasse Fahrt zuende. Einziger Trost: durch die hohe Fließgeschwindigkeit der Donau, war die heute bewältigte Strecke eher groß. In der Nacht fing der Wind erst richtig an zu toben. Der Wetterbericht sprach von bis zu 12 Windstärken. Die Donau verläuft an dieser Stelle quer zur Windrichtung und ist etwa 1km breit, da baut sich ein deftiger Seegang auf, und drückt das Schiff immer wieder heftig auf den Kai, daß einem Angst wird. Wenn dann auch noch ein Frachter vorrbeirauscht, drückt es die Fender komplett platt und schlägt die Bordwand gegen die Oberkante des Kais: Etliche Schrammen.

weiter
9.3.19 km2341 - km2285

Kalt und windig mit einem dramatisch dunklen Himmel war dieser Morgen, kaum war ich auf dem Fluß, fing es an zu blasen. Der Wind steigerte sich immer weiter, bis schließlich diese Schaumstreifen auf dem Wasser erschienen, die es erst ab 4 Windstärken gibt. als ich schließlich an der Schleuse Straubing angekommen bin, war der Wind so stark, daß ich auch in meinen besten Windsurferzeiten nicht mehr auf das Wasser gegangen wäre: mindestens 6, vielleicht sogar 8 Windstärken. Kam der Wind von der Seite, hat sich das Schiff auch ohne stehenden Mast merklich auf die Seite gelegt. Zum Anlegen am Wartekai der Schleuse mußte ich ordentlich Gas stehen lassen, um das Schiff gegen Wind und Strom zum stehen zu bringen. Nach ca, 20min Wartezeit in der Schleuse wieder anlegen, zwar ohne Strom. aber mit Wind von hinten, auch da mußte der Rückwärtsgang arbeiten, damit der Poller erreichbar war. Erst als das Schleusentor geschlossen war, hat der Wind etwas nachgelassen, aber die Gischt von den Wellen kam über das Tor bis in die Kammer.
Nach dieser windigen Tour war nicht nur der Adenauer etwas ausgefranst.
Das Fahren auf der jetzt freifließenden Donau unterscheidet sich kaum von der vorherigen Strecke, es liegen etliche Fahrwassertonnen mehr, und man hält sich daran, auch wenn die Donau sehr viel breiter ist.


Gleich am Ortseingang von Deggendorf habe ich an einem Anleger der Personenschiffahrt festgemacht, kein Verbotsschild, aber ein besonders häßlich verbarrikatiertes Tor.

Die Niederbaiern scheinen sich ganz besonders nach ewiger Verbundenheit zu sehnen: Die Fußgängerbrücke unweit des Anlegers ist von einer Seite zur Anderen in dieser Weise mit Schlössern behängt, da hängen sicher weit über tausend dran. Da müßte in Deggendorf die Scheidungsquote besonders niedrig sein?

weiter
8.3.19 km2363,8 - km2341

Das Abfahren war heute mit Schwierigkeiten verbunden. Bei der Kontolle des Kühlerwassers hat nicht nur eine ungewöhnliche Menge gefehlt, beim Nachfüllen mußte ich ein sichtbares kontinuierliches Abfallen des Füllstandes feststellen: Ein Leck! Bei der Abflußmenge war es gleich gefunden. Der Kühlerschlauch, den ich vor einem Jahr schonmal ersetzt hatte. Ich hatte wohl beim Nachspannen des Lima-Riemens nicht augepaßt, und das Ende der Spannschraube hat sich durch den Schlauch hindurchgearbeitet. Gottseidank hatte ich diverse Überbleibsel aus der vorigen Reparatur, sodaß ich nach vieleicht 3 Stunden Arbeit den Kühlkreislauf wieder dicht hatte. Beim Studium des Tageszieles ist mir klar geworden, daß das gestrige Ankern nicht das letzte sein würde, also habe ich mich gleich mit dem Ketteneinlauf befaßt. Der Kettenasten ist sehr tief, aber andererseits sind da auch 50m 10er Kette + 30m Reservekette drin, das ergibt einen großen Haufen, der fast bis um Ketteneinlauf reicht. Ich habe nun die Kette so umdrapiert, daß die letzten 10m Kette ein Stück tiefer zu liegen kommen. Hoffentlich funktioniert das!

Dann bin ich endlich losgefahren, es war schon nach 13:00 Uhr. An der Schleuse Geisling mußte ich 20min warten, es ist eine Schleuse mit doppelter Breite, deshalb treten die großen Schiffe nun paarweise auf, genauso wie das Wassergeflügel. Obwohl ich seit der Schleuse nach einem Übernachtungsplatz Ausschau hielt, war nichts geeignetes zu finden. Es gab zwar einige Altwässer, aber die Einfahrten waren wenig vertrauenerweckend. Da kam mir ein Ladekai gerade recht, an dem wohl die WSA ihre Steine verlädt. Uber das "Parken verboten" habe ich hinweggesetzt, es ist Freitag abend, da kommt vor Montag niemand mehr, und habe festgemacht.

weiter
7.3.19 km2367 - km2363,8

In weiser Vorraussicht bin ich schon um 6:00 aufgestanden. Kaum hatte ich mich angezogen, der Kaffee war noch nicht heiß, klopfte der freundliche Mensch an die Bordwand und wollte sofort abfahren. Auf meinen fragenden Blick zuckte er nur mit den Schultern: "Kapitän!" Der ist wohl auch hier master next god. Also Kaffee wieder abgestellt und sofort die Maschine gestartet. Es hat gerade gedämmert, von guter Sicht konnte keine Rede sein, aber in diesem Fall hatte ich keine Wahl. Das Ablegen war kein Problem und ich bin langsam weitergetuckert. Die Rumänen haben wohl schon darauf gewartet, und sind auch sofort abgefahren. Und dann sah ich es:

Eine breite Durchfahrt und dahinter der Blick auf ein unermeßlich großes Altwasser. Kein Verbotsschild! Trotzdem ich gleich gewendet habe, waren die paar Meter Rückfahrt wieder mühsam. Ich habe diese Einfahrt erstmal inspiziert, es steht eine ziemliche Strömung hinein. Ich habe mich dann rückwärts unter scharfer Beobachtung des Lots hineinziehen lassen, aber meine Befürchtungen waren grundlos: Durchwegs 5m Tiefe! Ich bin im Altwasser ein Stück stromauf gefahren und fand ruhiges, strömungsfreies, tiefes Wasser. Zum erstenmal seit vielen Jahren wieder den Anker raus und Ruhe!

Das Handbuch sagt garnichts, nichteinmal einen Namen. Die Einfahrt ist recht genau gegenüber der Einfahrt zum Regensburger Osthafen, die Donau ist dort bei km 2373 sehr breit und als Wendestelle bezeichnet. Wenn ich das gewußt hätte, wäre mir der ganze Streß und die unruhige Nacht längsseits erspart geblieben!
Dennoch bin ich nicht allzulange geblieben. Ich habe mein Frühstück nachgeholt, und diverse Servicearbeiten am Motor erledigt, Ölstand und Kühlerwasser prüfen, Stopfbuchse und Drucklager nachschmieren und ein paar Kleinigkeiten mehr. Noch vor Mittag habe ich den Anker wieder hochgeholt. Dabei mußte ich feststellen, daß zuviel Zeugs im Kettenkasten liegt, und die Kette Türmchen bildet. Das muß ich verbessern!

Direkt unterhalb der Walhalla patroulierte ich die vielen Anlegestellen ab, von denen nach Handbuch keine geeignet sein sollte. Dabei fiel mir ein grünes Schiff an einer der Liegestellen auf, das nicht den Eindruck machte, daß es in absehbarer Zeit weiterfahren würde. Da habe ich einfach daran längseits festgemacht. Das Manöver klappte nach der gestrigen Übungseinheit ganz leidlich ohne Havarien, und allein, ohne jede Hilfe! Ich denke, ich werde hier bis morgen bleiben. Die Walhalla werde ich nicht besuchen, schon die Befreiungshalle in Kelheim letzten Herbst war eine Enttäuschung, so eine Orgie in Nationalismus muß ich mir nicht nochmal anschauen.

weiter
6.3.19
km152 - km171 / km2411 - km2376

Riedenburg ist ein hübsches Städtchen, es erinnert mich an Port Vendres, nur viel, viel kleiner: Eine Unterstadt mit Hafen, und ein aufwendiger Treppenaufgang in die Oberstadt. Das Geländer am Kai kann man an etlichen Stellen öffnen, das habe ich jedoch erst erkannt, als ich schon etliche Male drübergestiegen war. Ich habe es langsam angehen lassen, und auch am Automaten der Sparkasse meine Barschaft aufgefüllt. Weil das Morgenlicht so schön war, habe ich auch noch alles abgelichtet. So war es schon fast 10:00. als ich endlich abgefahren bin. Weil es so kalt war, habe ich die dicke Jacke wieder aktiviert, obgleich ich damit sehr unbeweglich bin

Die Schleuse Kelheim war für mich bereit wie bestellt, und so ging es ohne weitere Verzögerung in die Donau. Kelheim an sich ist ein für Bootsfahrer sehr ungastlicher Ort. Es gibt wirklich keine Anlegemöglichkeit. Es könnte natürlich sein, wenn man die Donau rückwärts bis Weltenburg hochfährt, das es da noch was gibt, das habe ich mir geschenkt und bin weitergefahren.An der Marina Saal bin ich vorbeigefahren, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Ab der Abweigung nach Weltenburg hat die Donau eine ziemliche Strömung, es geht geradezu rasant voran. Man ist im Nu an der Schleuse Bad Abbach, auch dort ließ man mich nicht warten. Weil der Schleusenkanal ein Stück kürzer ist als die eigentliche Donau, muß man bei der Kilometrierung 1,5km abziehen. Weil die Donau so zackig fließt, gibt es Verwirbelungen, die das Schiff aus dem Ruder laufen lassen, man ist ständig am Kurbeln. Ganz schlimm ist es, wenn ein Entgegenkommer passiert, da muß man sehr aufpassen. Und die fahren ein ganzes Stück schneller als am MD-Kanal und werfen eine ordentliche Welle auf.
Das dicke Ende kommt immer am Schluß: Seit der Schleuse Bad Abbach suche ich nach einer Übernachtungsmöglichkeit, nichts wirklich passendes zu sehen. So bin ich schließlich an der Schleuse Regensburg angekommen. Das ging zwar eher schnell hinunter, aber der Schleusenwärter konnte mir abgesehen von den Dalben in Schwabelweis auch nichts anbieten. In der Hoffnung, daß eine von den vielen im Südarm im Handbuch aufgeführten Liegestellen für mich geeignet ist, bin ich diesen bis zur steinernen Brücke hochgefahren, wegen der immer heftiger werdenden Strömung quälend langsam. Nein. keine Chance. Langsam wird mir mulmig, denn es dämmert schon, also schnell gewendet und zurück. An den Dalben in Schwabelweis ist auch alles mit großen Schiffen besetzt, aber auf einem rumänischen Schiff stehen ein paar Leute, und winken einladend auf mein Gestikulieren. Also ein Stück weiter mit der Strömung, dann einen U-Turn und zurück. Die Strömung ist so stark, daß ich die Maschine mit 1200 drehen lassen muß (halbes Gas) um überhaupt stehen zu bleiben. Das Boot schwingt hinund her, und als ich dem freundlichen Menschen die Leine zuwerfe und das Steuer dazu kurz loslasse, kommt es sofort aus dem Kurs, und bekommt eine dicke Macke. Aber schließlich bin ich an dem rumänischen Schiff längseits fest. Zu allem Überfluß eröffnet mir der freundliche Mensch, daß sie früh um 7 ablegen wollen. Nicht lustig!

weiter
5.3.19
km121 - km152

Gut erholt und ausgeschlafen war ich ca 9:00 Uhr wieder auf dem Wasser, Aber das Glück von gestern hat mich offenbar verlassen: eine knappe Stunde Wartezeit vor der Schleuse Berching. An der Schleuse Dietfurt hat man mir nur 10min Wartezeit zugesagt, doch es waren eher 30min. Ich habe dennoch in Meihern angelegt, die alte Schleuse Nr.11 angesehen und fotografiert.

Der alte Kanal war bis 1956 in Betrieb, steht also seit 63 Jahren, dafür sind insbesondere die hölzernen Schleusentore erstaunlich gut erhalten. Soweit ich den alten Kanal in Nürnberg kenne, sind dort die Schleusentore durch feste Spundwände ersetzt. Das hier schaut aus, als könne man das nach geringeren Reparaturen wieder in Betrieb nehmen!
An der Schleuse Riedenburg hat man mich volle 2 Stunden warten lassen. Hinter mir kam ein Schubverband, war wohl kein Platz mehr für mich in der Schleuse, erst hinter dem nächsten Schiff durfte ich einfahren. Inzwischen war es schon 16:30, da war es zwingend, in Riedenburg am Stadtkai festzumachen, um 17:30 war das geschafft. Weil es den ganzen Nachmittag geregnet hat, und noch dazu kalt (5°C)war, war ich eher froh, daß für heute Schluß ist.

weiter
4.3.19
km116 - km121

Ich war gestern abend ziemlich fertig, und recht froh, als das Schiff fest war. Und ich habe meine Pflichten sehr vernachlässigt, und die üblichen Servicearbeiten an Schiff und Maschine auf heute verschoben. Dazu habe ich sehr lange geschlafen. Daher war es fast Mittag, als ich endlich abfahrtbereit war. Da fiel mir der Entschluß nicht schwer, gleich an der Lände Berching wieder festzumachen. Während ich schon unterwegs war, fing es an zu blasen, wie vom Wetterbericht angekündigt, gottseidank von hinten. Nur wechselt der Wind ständig seine Richtung und Stärke, je nach den Bäumen am Ufer. Da wird das Kurshalten richtig zur Arbeit. Gerade als ich schön langsam den anvisierten Liegeplatz ansteuerte, pfiff eine besonders starke Bö quer über den Kanal und drückte mir das Boot mit Schmackes an die berchinger Kaimauer. Die Fender waren am richtigen Platz, so ist nichts passiert, aber ich mußte warten, bis die Bö vorbei war, um das Boot vom Kai abdrücken zu können, und die restlichen Meter noch vorfahren zu können.
Ich habe dann erstmal 2 Kanister (40l) Diesel in den Haupttank reingefüllt, und das Grotamar nicht vergessen. Dann habe ich das Fahrrad flottgemacht, war natürlich nach der langen Standzeit ziemlich platt. Die Tankstelle liegt etwas oben am Berg. Das war bis jetzt mit Abstand der teuerste Diesel seit langem. Dafür läuft das Fahrad mit den vollen, schweren Kanistern wie von selbst den Berg herunter zum Schiff.
An der Anzeigetafel für die Personenschiffahrt steht nur noch, daß dieser Service seit Ende letzten Jahres vollständig eingestellt ist. Das tut mir leid für die Investition, die die Kommune in diese sehr aufwendig gestaltete Anlegestelle reingesteckt hat, sie hebt sch geradezu luxuriös von den anderen Anlegestellen ab. Z.B. habe ich gesehen, daß sie zum Spannen der Niro-Seile (nautisch!), aus denen das Geländer gestaltet ist, ebenso nautische 20mm Wantenspanner verbaut haben, von denen ich durch meine Recherchen weiß, einer 400€ kostet, und da sind an die 50 Stück drin!
Im Gegensatz zu meinem Aufenthalt hier im Herbst, ist jetzt gar nichts los. Keine Spaziergänger, niemand. Nur der böige Wind schüttelt die Festina Lente immer wieder durch, von einem vorbeifahrenden Schiff schwer zu unterscheiden.

weiter
3.3.19
km65 - km116

Heute bin ich endlich losgefahren. Irgendwie hat sich das herumgesprochen, und gestern waren alle nochmal da, um mich zu verabschieden. Vorgestern habe ich noch schnell den Schlüssel für meinen Roller verloren, sodaß ich das Zündschloss aufknacken mußte, um ihn überhaupt noch zu bewegen. Uli hat mir geholfen, den Roller zu meiner alten Liegestelle an der Schleuse Eibach zu überführen, wo der Kai zum Aufladen die richtige Höhe hat. Um 8:00 ging es ziemlich pünktlich los. Der Hafenmeister hat wie versprochen, mein Netzanschlußkabel aus den Schaltkasten befreit. Gwendolin und Richard sind gekommen, um das erste Stück mitzufahren. Trotzdem war es fast 8:30, bis wir aus dem Hafen rauswaren. Keine Wartezeit an der Schleuse Nürnberg, an dem alten Liegeplatz an der Schleuse Eibach haben wir den Roller aufgeladen, und Wenzel ist mit seinen 3 Kindern zugestiegen. Mit den vielen Mitfahrern war das Schleusen kein Problem, alle durften ein Stück steuern, und so sind wir mit vollem Schiff (7 Personen) in diesen kalten und trüben Tag hineingefahren. Wenigstens kein Regen, sogar gelegentlich ein kleiner Sonnenstrahl. Alle Schleusen gingen völlig ohne jede Wartezeit, die Schleusenwärter waren informiert und haben auf Zuruf sofort grünes Licht gegeben Wenzel und seine Kinder sind bis zur Schleuse Eckersmühlen mitgefahren, Gwen und Richard waren bis Schleuse Hilpoltstein mit dabei. Das Stück über die Scheitelhaltung und die Schleuse Bachhausen bin ich wieder alleine gefahren. Die Zeit hat wieder knapp gereicht. Das war zwar eine Schleuse mehr und ein paar extra Kilometer und noch das Aufladen des Rollers, aber der Tag war auch ein wenig länger als bei meiner ersten Tour im Herbst. Erst um 17:30 war ich im Unterwasser der Schleuse Bachhausen fest. Die heute zurückgelegten 51km dürften für diese Jahreszeit und Tageslänge das absolute Maximum darstellen. Den Rollerschlüssel habe ich wiedergefunden, er war in einen Schuh hineingefallen. Ich hatte ihn in der Salonbilge vermutet, und fast den ganzen Samstag darauf verwendet, das halbe Schiff zu zerlegen, um dieser Bilge auf den Grund zu gehen.
Ach ja, die lange erwartete Befahrensgenehmigung ist noch richtig angekommen, wie mir ein freundlicher Herr vom WSA Regensburg am Telefon versprochen hat, von der Papierseite bin ich komplett!

weiter
13.2.2019
#87

Die Nacht war wiedereinmal kalt, dünnes Eis im Hafen, aber ein strahlender Sonnenaufgang. Das Barometer so hoch, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe, und immer noch steigend. Ich weiß nicht mehr, ob ich das Gerät auf Meereshöhe kompensiert habe, denn wir sind hier immerhin etwa 300m über dem Meer. Allerdings ist der Absolutwert weniger interessant, für die Wetterprognose reicht "sehr hoch, steigend" allemal aus.
Der Wetterbericht verheißt bestes Wetter bis einschließlich Wochenende, ich werde mich nicht zurückhalten können, und mal die Maschine probelaufen lassen.


10.2.2019
#86

Heute hat sich das Wetter gewendet, ein kräftiger Südwind hat Temperaturen bis 12°C gebracht, und die Eisschollen, die im Hafen herumtreiben und sich geräuschvoll an der Festina Lente schubbern, in Bewegung versetzt. Ich habe noch etwas nachgeholfen und sie strategisch zerkleinert, damit sie sich nicht zwischen den Stegen verfangen, und der Wind hat alle nach und nach aus dem Hafen hinaus auf den Kanal getrieben. Das wars wohl mit dem Eis für diesen Winter!



©